Steffen Popp

Kolonie Zur Sonne

Gedichte
Cover: Kolonie Zur Sonne
Kookbooks Verlag, Idstein 2008
ISBN 9783937445359
Kartoniert, 64 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Was sich mir zunehmend als das Projekt der Poesie erschließt und in meinem Schreiben zumindest ansatzweise ständig geschieht, ist die Verwirklichung der poetischen Praxis, ihre Umsetzung in eine Lebensform. Dabei geht es nicht zuletzt auch darum, herauszufinden, was die spezifischen Orientierungen und Verfahrensweisen der Poesie mit denen anderer Lebensformen verbindet. Schließlich ist von vornherein das Leben in seiner Gesamtheit der einzige Gegenstand, bearbeiten wir immer nur dieses mit allen verfügbaren Mitteln. So möchte ich, wenn ich die poetische Praxis hier überhaupt von der lebendigen abhebe, einfach nur sagen: Es wäre verfehlt, zu beklagen, dass unsere Anstrengungen der Wirklichkeit nicht gerecht werden, wir uns ihr bestenfalls annähern können, denn eigentlich betreiben wir die entgegengesetzte Bewegung, die Verlebendigung dieser Wirklichkeit im Gedicht. Indem wir die Sprache wählten, das abstrakteste Medium und »offenbar schlechteste Werkzeug für alles«, wählten wir zugleich den am weitesten entwickelten Hebel; so ist das Gedicht, in seiner Lebensferne, nichts anderes als eben unser Bemühen um dieses Leben: Nur was wir in poetische Praxis umsetzen, kann guten Gewissens als "anthropologisch gemeistert" gelten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2009

Rezensent Michael Braun ist von Steffen Popps Gedichtband "Kolonie Zur Sonne" schlicht hingerissen. Über die Jury des Leonce-und-Lena-Preis, die dem Lyriker beim Wettlesen 2007 Unverständnis entgegenbrachte, kann er nur den Kopf schütteln. Er sieht in Popp den "sprachschöpferischsten Autors der jungen Gegenwartslyrik", einen "Tonsetzer ästhetischer Widersprüche und Paradoxa", dem es um "poetische Wiederverzauberung unter modernen Ernüchterungsbedingungen" geht. Er schwärmt von der Sprachmächtigkeit des Lyrikers, seinen starken Bildern und Kompositionen. Besonders beeindruckt ihn, wie Popp das Hohe und das Profane, das Romantische und das Ernüchternde, die alte "Pathos-Herrlichkeit" und banale "technische Vokabularien" spannungsreich und kunstvoll zusammenbringt, und dabei alle sprachlichen Möglichkeiten ausschöpft. Sein Fazit: eins der "faszinierendesten Sprachereignisse in der Lyrik der letzten Jahre".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2009

Tobias Lehmkuhl schwelgt hingerissen im zweiten Gedichtband von Steffen Popp. Und wenn er sich anfangs noch etwas unsicher gefragt hat, ob er sich vielleicht nur vom schönen Klang einwickeln lässt, so ist er sich im Lauf der Lektüre doch sicher, dass diese Gedichte Bestand haben. Der 1978 in Greifswald geborene Lyriker, der auch bereits einen Roman verfasst hat, vereinigt in seinen Gedichten die unterschiedlichsten Tonlagen lyrischen Sprechens, erinnert mal an Minnesang, mal an klassische Verse, mal an die Moderne, erklärt der Rezensent. Der nicht selten gewählte "hohe Ton" wird aber stets mit feiner Ironie unterfüttert, wie Lehmkuhl eingenommen feststellt. Genauso positiv ist ihm aufgefallen, dass Popps Gedichte zwar häufig überraschende Wendungen nehmen, dabei aber keineswegs effekthascherisch daherkommen. Höchst lebendig wollen dem begeisterten Rezensenten die Texte scheinen, in denen Geschichte, nicht nur die eigene, individuelle, eine wichtige Rolle spielt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2009

Anregend und gewichtig erscheint der zweite Gedichtband Steffen Popps dem Rezensenten. Die Schwierigkeit, Popps Texte formal unter einen Hut zu bringen, begreift Martin Zingg als Auszeichnung dieses jungen Autors und zugleich als den wechselnden Situationen angemessen. Die Vielfalt des sprachlichen Vorgehens, Popps verschiedene Wahrnehmungsweisen verschränkende Bildlichkeit empfindet er als höchst raffiniert. Nicht das Anliegen, den Augenblick zu fixieren, steckt dahinter, meint er, sondern der Wunsch diesen erst zu finden. Für Zingg wird auf die Weise eine existenzielle Erfahrung mitgeteilt, die weltzeugende Kraft hat und die ihn als solche stets zu überraschen vermag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2009

Als eine der "wichtigsten und markantesten Stimmen" unter den deutschsprachigen Lyrikern seiner Generation preist Richard Kämmerlings den 1978 geborenen Steffen Popp. Seine Texte charakterisiert er einerseits als post-avantgardistisch, betont andererseits aber auch, dass es Popp dennoch sehr wohl und in erster Linie um die Sprache geht, durch die die Wirklichkeit hindurch, in die die Wirklichkeit hinein muss, um Gedicht zu werden. So sind die Verse Popps offen für die unterschiedlichsten Fachsprachen und Diskurse, fügen sich nie einem auf Anhieb - oder auch durch ausdauerndes Nachdenken - eindeutig erkennbaren Sinn. Man sollte, so Kämmerlings' grundsätzliches Plädoyer, Lyrik ja sowieso eher als Analogon zur nicht-figurativen Bildenden Kunst begreifen und nicht darauf beharren, hermeneutisch hinters auf den ersten Blick Unverständliche zu kommen. Für Steffen Popp jedenfalls scheint ihm das der einzig richtige Zugang.
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