Steffen Kopetzky

Lost / Found

Erzählungen
Cover: Lost / Found
btb, München 2005
ISBN 9783442751396
Gebunden, 215 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Steffen Kopetzky erzählt vom Vergnügen des Findens und vom Schrecken des Verlusts. Und davon, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen. Welch Katastrophe es sein kann, wenn etwas lang Vermisstes sich plötzlich einfindet. Oder welch Glück, aus seinem Leben plötzlich ausgesperrt zu sein, weil man den Schlüssel verloren hat ... "Lost/Found" ist eine Momentaufnahme dessen, was an einem Tag weltweit verloren geht - und gefunden wird. An der Küste Tunesiens steht ein Flüchtling vor der existentiellen Vernichtung durch den Verlust seines Handys, in Berlin verliert ein Pechvogel seinen Ausweis ausgerechnet am Ort seines Verbrechens. Durch den Tod ihres letzten Sprechers geht der Menschheit eine Sprache verloren, eine Frau verliert die Hoffnung, jemals ein Kind empfangen zu können und eine Studentin ihren dringend benötigten Job. Steffen Kopetzky zeigt eine Welt, in der den Dingen eine allzu große Bedeutung beigemessen wird, bis die Handelnden entdecken, dass ihr Leben durch ganz andere Koordinaten bestimmt wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2006

Steffen Kraft ist nicht nur ein bisschen enttäuscht von Steffen Kopetzkys Erzählband, er bereitet ihm sogar etwas "Magendrücken", allerdings findet der Rezensent die Frage "spannend", wie es dazu kommt. In seinen Erzählungen über Verluste und Funde behandle der Autor zwar durchaus ein "anregendes Thema", er lasse allerdings die Leser "hungrig nach Substanz" zurück, beschwert sich Kraft. Zunächst einmal irritiert ihn der "gesetzte Ton", der "klug" klingen will, es wohl auch tut, aber eben auch ein wenig "gespreizt" tönt, wie er moniert. Zudem bemüht sich Kopetzky um eine "reibungslose" Konstruktion seiner Geschichten, vielleicht, weil man ihm in seinem vorhergehenden Roman "Grand Tour" "handwerkliche Mängel" vorgeworfen hat, vermutet der Rezensent. Das Ergebnis ist ihm in diesem Band nun zu glatt, ihn kann die erzählerische Welt des Autors, in der "alles mit allem zusammenhängt" nicht so recht befriedigen. Außerdem findet er, dass die wechselseitigen Beziehungen und Umstände, die die Figuren der Erzählungen untereinander verbinden, zwar beim Aufspüren durchaus "Vergnügen bereiten", allerdings nichts zum Gewinn an "Einsichten" beiträgt. Alles in allem bestenfalls ein "nettes Buch", so Kraft, der sich "mehr" erhofft hätte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Eine "Option für die Zukunft" hat Steffen Kopetzky mit seinem aktuellen Buch nicht geschaffen, findet Rezensent Gerrit Bartels, wohl aber präsentiert er sich damit als Kurzgeschichtenerzähler "in guter Form". Zwar fehle dem Erzählband alles in allem "der letzte Wille zur Straffheit", und man werde den Eindruck nicht los, Kopetzky hätte gerne noch mehr Inhalt in sein Buch gepackt. Dafür sind die Geschichten, in denen es um Verlust und Gewinn geht, "mit Hingabe" geschrieben und das Thema wird bis zum "hübschen Zirkelschluss" in der letzten Erzählung durchgehalten. Der Leser trifft in dem Buch auf einen Mann, der seine Sprache verliert, dafür fortan ehrlicher lebt, auf eine Botschaft, die ein Leben verändert und sogar auf einen Jaguar, der zum Daimler wird. Dennoch glaubt der Rezensent eher an den "langen Erzählatem" Kopetzkys, den er im letzten Roman "La Grand Tour" bewiesen hat. Im direkten Vergleich kommt der Geschichtenband da nur wie ein "Zwischenwerk" daher.
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