Stefanie Böge

Äpfel

Vom Paradies bis zur Verführung im Supermarkt
Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, Dortmund 2003
ISBN 9783929797787
Kartoniert, 270 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Ein Produkt, dessen Entwicklung im Zeitverlauf sich zu analysieren einlädt, ist der Apfel. Von der Nutzung in einer ländlichen Gebrauchskultur über die reichhaltige bürgerliche Apfelvielfalt im 18. und 19. Jahrhundert bis zu dem heutigen Angebot in einem Supermarkt zeigt sich eine überraschende Geschichte, die sowohl durch die Vorstellungen und Bilder, die die Menschen vom Apfel entwickeln, als auch von den jeweiligen Formen der Verwendung abhängt. Der Weg des Apfels durch verschiedene Räume und Zeiten ermöglicht Erkenntnisse darüber, wie der menschliche Gebrauch und seine immer stärkeren Eingriffe in die Entstehung eines Naturproduktes dieses selbst und unser Leben beeinflusst. In neuerer Zeit wird der Apfel zu einem fast fabrikmäßig hergestellten Massenprodukt, das mit den ursprünglich vorhandenen vielfältigen und qualitativ hochwertigen Eigenschaften des Apfels kaum mehr etwas gemein hat. Da der "moderne" Apfel beliebig austauschbar geworden ist, muss ihm durch Werbung und äußerliche Aufmachung eine künstliche Identität verliehen werden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Essen wir eigentlich noch Äpfel? Oder nur noch "Rudimente einer längst vergessenen Üppigkeit". Christiane Grefe weiß nach ihrer Lektüre von Stefanie Böges Buch, dass die traurige Diagnose leider wahr ist, aber auch, dass der gegenwärtige Zustand korrigierbar ist. Bei diesem Buch, erläutert sie, handelt es sich um eine "kultur- und wirtschaftshistorische Frucht-Biographie" - wie hat sich der Apfel verändert durch Verstädterung, frühmoderne Agrarreform, Industrialisierung, Globalisierung? Vorrangigster Befund: Seine Vielfalt ist für die meisten von "rund tausend Sorten" auf zehn als "markttauglich" eingestufte Sorten geschrumpft. Ebenfalls geschrumpft ist der Symbolgehalt der Frucht, bis auf einen kümmerlichen Rest: der Apfel steht für Gesundheit, doch das dazugehörige Wissen ist ebenfalls verloren gegangen. Die Autorin wird deshalb, merkt Grefe lobend an, keinesfalls sentimental, ihre Studie sei manchmal sogar zu "spröde seminaristisch", dafür aber überreich an interessanten Einzelheiten und Analysen - wie eine Streuobstwiese von früher und hoffentlich auch, die Apfelexpertin Böge ist da durchaus optimistisch, von morgen.
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