Klappentext
Seit dem Tag des Mauerfalls stießen in Berlin zwei Welten aufeinander, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Die Hauptstadt der sozialistischen DDR fusionierte mit West-Berlin, dem Symbol der Freien Welt. Parallel zur politischen und wirtschaftlichen Vereinigung vollzog sich eine Explosion von kulturellen Aktivitäten, neuen Ideen und kreativen Aufbrüchen. Gleichzeitig häuften sich die ökonomischen und sozialen Probleme wie Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit. In dieser Zeit entstand der zum Geflügelten Wort gewordene Satz, Berlin sei "arm, aber sexy". Die Stadt wurde zum Laboratorium der Wiedervereinigung und all ihrer Probleme.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.07.2026
Arm und wegen der vielen Probleme mittlerweile ein bisschen unsexy, das ist Berlin für Rezensentin Meredith Haaf, die beim Historiker Stefan Wolle eine Zeitgeschichte dieser Stadt liest. Gerne hätte sie die Frage beantwortet bekommen, was den Verlust an Sexiness verursacht hat, sie liest aber eher "konventionelle Historiografie" seit 1989. Außerdem macht sie viele Sätze aus, bei denen eine Spende ans Phrasenschwein fällig wird, "Zeitenwechsel" ist nur einer dieser Ausdrücke. Von Mauerfall über Treuhand bis zur Wiederholung der Bundestagswahl kommt alles Wichtige vor, aber das eignet sich der Kritikerin zufolge vielleicht eher für Leute mit sehr geringem Vorwissen, nicht so sehr für die, die die Ereignisse eh miterlebt haben. Die These von Ost und West als "Raumschiffe", die ineinanderstoßen, findet sie auch eher mäßig überzeugend, lobt aber die eigenen Erfahrungen, die Wolle als Ost-Historiker einbringt. Diese Perspektive, mit der er über die wirtschaftliche Ungerechtigkeit spricht, mit der der Osten zur "Kapitalanlagenressource degradiert wurde", macht den Band für Haaf lesenswert.
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