Stefan Wild

Mensch, Prophet und Gott in Koran

Muslimische Exegeten des 20. Jahrhunderts und das Menschenbild der Moderne
Rhema Verlag, Münster 2001
ISBN 9783930454259
Broschiert, 54 Seiten, 9,20 EUR

Klappentext

Der Koran ist seit seiner Entstehung im siebten nachchristlichen Jahrhundert das Grunddokument der islamischen Religion und bis heute allgegenwärtiger Referenztext der vom Islam geprägten Kulturen. Als durch den Propheten vermitteltes, aber ungeschmälert göttliches Wort ist der Koran im radikalsten Sinn und Wort für Wort göttlich inspiriert. Der späteren islamischen Theologie gilt der Koran als ungeschaffenes Wort Gottes und daher als in jeder Hinsicht unüberbietbarer arabischer Text.
Der Beitrag stellt die Grundzüge der im Koran dokumentierten Selbstexplikation Gottes gegenüber dem Menschen Mohammed dar und referiert die theologischen und anthropologischen Dimensionen dieses Diskurses für die Moderne. Das Menschenbild moderner muslimischer Denker zeigt sich dabei als in besonderer Weise auf eine moderne Auslegung des koranischen Texts angewiesen. Gleichzeitig steht es häufig in Konkurrenz zu den säkularistischen Menschenbildern einer als westlich dominiert begriffenen Moderne. Hier liegen die Wurzel für die besonderen hermeneutischen Probleme zeitgenössischer islamischer Koranexegese und für bei uns kaum bekannte innermuslimische Auseinandersetzungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.10.2001

Mit den Büchern über den Islam ist es eine schwierige Sache, schreibt Hilal Sezgin. Man will sie lesen, weil im Namen der Religion gerade Unrecht getan wird oder weil der Religion Unrecht getan wird. Diesem Dilemma stellen sich zwei Publikationen, die der Rezensentin etwas Licht ins Dunkel der Betrachtungen zu bringen scheinen: Elger/Stolleis "Kleines Islam-Lexikon" und "Mensch, Prophet und Gott im Koran" von Stefan Wild. Der Autor präsentiert in einem schmalen Band 52 Seiten Erläuterungen über den Koran. Hilal Sezgin bezeichnet diese Veröffentlichung als einen "wunderbarer Begleiter", für jeden geeignet, der sich zum ersten oder wiederholten Mal dem Koran nähern will. Sehr "behutsam" schreibe Stefan Wild über das heilige Buch und zeige, wie moslemische Denker des 20. Jahrhunderts mit den Fragen nach der Geschichte, der Originaltreue und der Autorität der Suren umgegangen sind, so die Rezensentin. Eine gültige Auslegung des Korans gibt es nicht, denn es gibt auch kein moslemisches Oberhaupt, das die Auslegung vorgeben würde. Stattdessen legen viele Moslems mit vielen Verständnissen das Buch aus. Allein diese Einsicht erscheint Sezgin wichtig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2001

Lesenswert findet der Rezensent Friedrich Niewöhner diese Studie von Stefan Wild über die Frage, ob und welche modernen Interpretationen des Korans es gibt bzw. ob es überhaupt möglich ist, für "Gottes unerschaffene Rede", die der Koran repräsentiert, eine moderne Übersetzung geben kann. In dem Umgang mit dieser Frage, die in diesem Buch am Beispiel von fünf muslimischen Autoren bzw. Exegeten, unter ihnen auch der hierzulande besonders bekannte Ägypter Abu Zaid, behandelt wird, entdeckt Niewöhner auch das wesentliche Dilemma dieser Fragstellung. Zum einen vermisst der Rezensent eine Definition von Stefan Wild, was mit Moderne überhaupt gemeint ist, zum anderen versucht sich jeder der muslimischen Exegeten an der Frage mit Hilfe von westlichen Denkschulen: "Sie stellen sich mit dem Instrumentarium westlicher Philosophie und Philologie gegen die islamische Tradition". So bleibt aus Sicht des Rezensenten fraglich, inwiefern solche Interpretation in der islamische Welt als legitim betrachtet werden.
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