Es ist noch nicht lange her, da wurde die Presse als "Vierte Gewalt" aufmerksam beobachtet. Heute stellt sich die Frage: Wie viele Zeitungen wird es im 21. Jahrhundert überhaupt noch geben? Und was passiert, wenn kostenlose Medien im Internet den professionellen Journalismus verdrängen? Der Soziologe und Publizist Stefan Schulz hat erlebt, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in die Krise geriet. Und er hat bei den Internetkonzernen recherchiert, die Newsfeeds liefern, die von Algorithmen statt von einem urteilenden Verstand unter die Leute gebracht werden. Wie wir mit den neuen Informationsangeboten souverän umgehen können, zeigt dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.07.2016
Stefan Schulz macht durchaus den einen oder anderen Punkt in seinem Abgesang auf die Medien, räumt Rezensent Tanjev Schultz ein. Etwa wenn der Autor moniert, dass Politik bei ARD und ZDF auf "das persönliche Kräftespiel von zehn Bundespolitikern" geschrumpft sei. Doch alles in allem ist der Rezensenten vom abgeklärten Habitus des früheren FAZ-Autors genervt, der alle anderen Journalisten für "naiv, unfähig und von vorgestern" halte. Markige Thesen findet der Rezensent hier viele, Belege weniger. Was soll das heißen, dass "eine Umfrage" ergeben habe, dass die Leute Internet-Suchmaschinen für eine glaubwürdigere Quelle hielten als die traditionellen Medien? Genauso gut könne man die Leute fragen, ätzt der Rezensent, ob sie mehr Vertrauen in Autos oder Autobahnen hätten.
Die Stimmung hat sich gewandelt. War vor ein paar Jahren noch Google der große Buhmann, dem die Journalisten den Verfall des eigenen Genres vorhielten, so ist es jetzt zunehmend Facebook. Mit großer Betroffenheit berichtet Peter Praschl über die von Stefan Schulz ausgebreiteten Erkenntnisse: Demnach "schluckt" Facebook den Journalismus einfach, übrigens von diesem eifrig mit Original-Postings fleißig bedient, und bei den Nutzern kommt dann nur noch an, was sie gemäß ihrer "Filterblase" interessiert. Sie bescheren dem Journalismus zwar eine Vertrauenskrise, hängen am Ende aber doch nur an den Katzenvideos. Ein wirkliches Kraut kann Schulz dagegen offenbar nicht offerieren - Praschl sagt jedenfalls nichts darüber und gibt sich Mühe, beim Abschied vom Leser nicht larmoyant zu wirken. Der Journalismus mit seinen tiefen Recherchen, aber auch seinen schlechten Eigenschaften, wie seiner oft pathologischen Nähe zur Macht, sei womöglich nur eine Episode gewesen.
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