Seit den Überraschungserfolgen von jungen Autorinnen und Autoren wie Juli Zeh, Paul Brodowsky und Sasa Stanisic steht das Konzept "Schreibschule" im Mittelpunkt aller Diskurse um junge Literatur: Kann man Schreiben lernen? Oder ist Kreativität in Gefahr, sobald sich unreife Zwanzigjährige an den Literaturinstituten in Leipzig, Biel oder Hildesheim zum Diplomschriftsteller ausbilden lassen? Wie beeinflusst die Institutionalisierung des eigenen Talents das Schreiben? Wie verändern sich Menschen und ihre Texte in der flirrenden Treibhausatmosphäre aus Konkurrenz und Kollektiv, aus Regelpoetik und Rebellion? In "Kulturtagebuch: Leben und Schreiben in Hildesheim" öffnen 16 Hildesheimer Schreibschüler den Blick in ihre Werkstätten. In ihren privaten und akademischen Tagebüchern beleuchten sie ein Semester lang den "Strudel der Besonderheit', in dem sie sich behaupten müssen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2007
Interessiert hat Rezensent Nico Daniel Schlösser dieses "Kulturtagebuch" gelesen, das einen Einblick in die schriftstellerische Produktion der Erstsemestler des Jahrgangs 2005 der Schreibschule Hildesheim gewährt. Ausführlich berichtet er über die zahlreichen Schreibprojekte, durch die die Studenten das Handwerk des Schreibens erlernen sollen. Die in vorliegendem Band präsentierten Ergebnisse dieser Arbeit haben Schlösser nicht immer überzeugt. So sind ihm die Dünkelhaftigkeit und Larmoyanz einiger Studenten bisweilen doch gehörig auf die Nerven gegangen. Dennoch lohnt sich seines Erachtens die Lektüre, schließlich dokumentiert der Band Druck, Versagensangst, Neid und Konkurrenz, Selbstdarstellung, Größenwahn, Wut und Desillusionierung, Unterstützung, Gemeinschaft und Euphorie unter den Studenten. Damit vermittelt das "Kulturtagebuch" für Schlösser einen "glaubwürdigen Eindruck von der Umbruchsituation des ersten Semesters" und den "Mühen der Neuverortung als Schreibschüler".
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