Siegfried Unseld, Peter Weiss

Siegfried Unseld / Peter Weiss: Der Briefwechsel

Cover: Siegfried Unseld / Peter Weiss: Der Briefwechsel
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418451
Gebunden, 1150 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Rainer Gerlach. Das Schreiben und Leben, das Zusammenwirken von Autor und Verleger dokumentiert dieser Briefwechsel - und zugleich die literarische Entwicklung der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Die beiden Partner: Auf der einen Seite der 1916 geborene Emigrant, der sein erstes Buch in deutscher Sprache 1960 veröffentlichte, aber in Schweden wohnte; er begann als experimenteller Erzähler und Dramatiker, schuf später eine eigene Form des politisch engagierten dokumentarischen Theaters und vollendete kurz vor seinem Tod 1982 den monumentalen Roman-Essay "Ästhetik des Widerstands" über die Kämpfe gegen die Epoche des Faschismus. Auf der anderen der Verleger, der seit 1959 allein verantwortlich für den Suhrkamp Verlag war und vor dem Hintergrund der Werke von Hesse und Brecht alles daransetzte, experimentierende Autoren bei den Lesern durchzusetzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2008

Alexander Honold würdigt Rainer Gerlachs Edition des Briefwechsels zwischen Siegfried Unseld und Peter Weiss von 1948 bis 1982 als vorbildlich. Die Korrespondenz dokumentiert in seinen Augen vor allem das Verhältnis des Schriftstellers zum deutschen Literaturbetrieb und zu seinen Akteuren. Deutlich wird für ihn nicht nur die ambivalente Haltung von Weiss gegenüber dem Literaturbetrieb und der politischen Linken, sondern auch die bisweilen angespannte Beziehung zu Unseld. Immer wieder findet Honold in den Briefen von Weiss Grundsatzfragen diskutiert, wenn es um im Grunde nachvollziehbare Einwände des Lektorats geht. Diese Briefe werfen für ihn aber auch ein Licht darauf, mit welcher "Leidenschaft und Sorgfalt" damals Bücher gemacht wurden. Er hebt hervor, dass Unseld trotz aller Spannungen rückhaltlos zu seinem Autor stand und für dessen Arbeit bisweilen sogar seinen "untrüglichen" Geschäftssinn in den Urlaub schickte. Trotz der über 1000 Seiten ist dieser Band für Honold kein "Trockenfutter für Chronisten und Buchhalter des Literaturgewerbes".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2008

Hocherfreut zeigt sich Michael Braun über den Briefwechsel von Siegfried Unseld und Peter Weiss. Er würdigt den 746 Briefe umfassenden Band als "faszinierendes Dokument zur Literatur und Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik". Denn neben privaten und geschäftlichen Briefen findet er hier die "geistigen Erschütterungen" einer literarischen Epoche dokumentiert. Die zunehmende Entfremdung von Unseld und Weiss, die schließlich zu einem Ende ihrer Freundschaft und großer Enttäuschung führte, sieht er nämlich nicht nur in den sehr unterschiedlichen Charakteren der beiden Protagonisten begründet, sondern auch in den zahlreichen Wandlungen und Imagewechseln des Schriftstellers, denen der Verleger irgendwann nicht mehr folgen mochte. Vor allem die politische Radikalisierung von Weiss und sein Bekenntnis zum Sozialismus waren zu viel für den liberalen Unseld. Etwas verwundert hat Braun in diesem Zusammenhang der Kommentar des Herausgebers Rainer Gerlach zu den politischen Stücken, der seines Erachtens deren ästhetischen Rang in Frage stellt und damit die Vorbehalte Unselds bekräftigt. Nichtsdestoweniger lobt er vorliegende Ausgabe als "grandiosen Briefband".