Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.03.2026
Rezensent Stefan Michalzik erkennt viel handwerkliches Geschick und Ausdruckskunst im neuen Roman des belgisch-flämischen Autors Stefan Hertman. Darin trifft der Kunstakademie-Dozent und Ich-Erzähler Anton, bevor er seine gescheiterten, künstlerischen Ambitionen anerkennen und vor seiner eigenen Mittelmäßigkeit kapitulieren kann, auf den überbegabten Studenten Dius, erzählt uns Michalzik. In der Genie-Gestalt des Dius, wie auch in der folgenden Handlung, die Anton in Dius' Werkstatt ins fiktive, flämische Dorf Ganzevliet zieht, erkennt der Kritiker ein Argument für die künstlerische Rückbesinnung auf altmeisterliche Traditionen entgegen der Verfolgung eines gerade angesagten, intellektuellen Hypes. Die gelungene Erzählkunst, die effektiv eingesetzten Wendungen erinnern ihn sowohl an das 19. Jahrhundert, lassen ihn aber auch an das "Arthouse-Kino mit vielen schönen Bildern" denken. In der sehr zugänglichen, aber auch philosophisch versierten Sprache erkennt der Kritiker ein klassisches "Midcult"-Beispiel. Eine Empfehlung für die Entdeckung der Texte dieses hierzulande noch unbekannten Autoren spricht der Rezensent in jedem Fall aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2026
Hocherfreut zeigt sich Rezensent Gustav Seibt über Stefan Hertmans' neuen Roman. Der Schriftsteller aus Flandern stellt einen Kunstdozenten und dessen exaltierten Schüler ins Zentrum des Werks, letzterer trägt den Namen des Romans, in dem sich Gott und Teufel, Deus und Diavolo, vereinen. Die beiden werden Freunde und ziehen sich in ein altes Haus bei einem Park zurück, wo der Dozent über Themen der Ästhetik schreibt und der Schüler an seiner eigenen Kunst arbeitet, gleichzeitig tauchen beide tief in die Bilder, die Literatur und auch die Musik vor allem der Vergangenheit ein. Das alles ist keineswegs bloß ein kontemplativer Künstlerroman, freut sich Seibt, an Handke etwa muss man gar nicht erst denken, vielmehr ist Hertmans durchaus ein Erzähler mit einem guten Gespür für Dramaturgie, was sich etwa in der herrlich böse gezeichneten Figur eines anderen, diktatorischen Kunstlehrers niederschlägt. Insgesamt ein großes, im Kontext des Werks Hertmans' durchaus überraschendes Werk, so das ausgesprochen positive Fazit.
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