Aus dem Französischen von Birte Völker. Kann man über den Verlust eines Menschen zuversichtlich, ja heiter erzählen? Michel Rostain gelingt es, indem er seinen verstorbenen Sohn Lion die Trauerarbeit der Eltern liebevoll kommentieren lässt. Als der Vater auf dem Weg in die Wäscherei sich nicht vom Geruch der Bettwäsche seines Sohnes trennen kann, stellt Lion lakonisch fest: "Papa, sie stinkt. Ich habe sie seit Monaten nicht gewaschen." Der Vater stolpert über rätselhafte SMS und Notizen in Lions Schulheften und glaubt, darin Zeichen zu erkennen. Ein Puzzle aus unglaublichen Fügungen entsteht, das es den Eltern ermöglicht, sich wieder ihrem Motto "Es lebe das Leben!" zu verschreiben. Schließlich verstreuen sie Lions Asche an den Hängen des Vulkans Eyjafjallajökull. Als dieser 2010 den Flugverkehr über Europa lahmlegt und Lions Asche nach Frankreich zurückweht, hat der Vater die Freude an einem Leben, in dem es Lion einmal gab, wiedergefunden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2012
Der Autor leiste literarische Trauerarbeit. So erläutert Rezensentin Maryam Schumacher die Entstehung des in Frankreich mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Buches des Opernregisseurs Michel Rostain. Rostain verfasste den Text nach dem frühen Tod seines Sohnes. Das Besondere des Buches liegt für Schumacher in der Perspektivik. Der Vater spricht nicht selbst, sondern lässt den toten Sohn sprechen, ohne dass der Autor dem Leser deswegen fern wäre. So wird der Tod zum Teil des Lebens. Laut Schumacher ermöglicht das eine ungewohnte Nähe von Trauer, Freude und Ironie und die Einsicht, dass ein Aufraffen auch nach so einem Schicksalsschlag möglich ist.
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