Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz. Joyce Carol Oates und Raymond Smith waren über ein halbes Jahrhundert ein Paar. Im Moment seines Todes ist Oates nicht nur dem Schmerz des Verlustes und dem Alleinsein ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, weiterleben zu müssen. Wie sieht ein Leben aus, wenn der Mensch nicht mehr da ist, mit dem man in Freundschaft und Liebe, in Höhen und Tiefen alles geteilt hat? Nie zuvor hat Oates so tiefen Einblick in ihr Innerstes gegeben. Hier tut sie es, bewegend, klug und überraschend. Wir lernen eine andere Joyce Carol Oates kennen: eine starke Frau, die am Ende sagen kann "Dies ist jetzt mein Leben".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.01.2012

Gabriele von Arnim schätzt Joyce Carol Oates eigentlich als lebenskluge Autorin und präzise Erzählerin. Doch bei diesem Buch bleibt die Rezensentin reserviert. Ein Meisterwerk wie Joan Didions "Jahr des magischen Denkens", das ebenfalls vom Verlust des geliebten Mannes berichtet, ist es ihrer Meinung nicht. Im Gegenteil. Denn während Didion in Arnims Augen mit "glasklarem Intellekt" das Thema Trauer und Verlust durchdringt, lässt Oates ohne jede Struktur, ohne jede Sublimierung einfach alles aus sich heraus: Trauer, Wut, Schuldgefühle, Banalitäten. Oder vielmehr fast alles, möchte Arnim anfügen. Denn dass Oates ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes wieder geheiratet hat, kommt in dem Buch nicht vor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2012

Ulrich Rüdenauer hat Joyce Carol Oates Buch "Meine Zeit der Trauer", in dem sie den Tod ihres Mannes zu verarbeiten sucht, als inhaltlich wie der Form nach sehr komplexes Buch wahrgenommen. Die amerikanische Autorin hat hier nicht nur eine Hommage an den geliebten Mann, mit dem sie 47 Jahre verheiratet war, verfasst und versucht, diesen unfassbaren Verlust zu bewältigen. Sie thematisiert Schuldgefühle, weil er sich in dem von ihr ausgesuchten Krankenhaus an einem Keim infiziert hatte und sie zum Zeitpunkt seines plötzlichen Todes nicht bei ihm war. Zugleich nimmt Rüdenauer auch überrascht zur Kenntnis, dass sich zwischen den kaum je getrennten Eheleuten neben der engen Nähe auch eine merkwürdige "Fremdheit" hält. Denn vieles bleibt zwischen Oates und ihrem Mann unausgesprochen, er liest außerdem ihre Bücher nicht. Dass die Autorin am Ende ihres Trauerbuches noch von einer Begegnung mit einem anderen Mann schreibt, den sie ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes heiratet, tröstet den Rezensenten.
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