Stefan Chwin

Ein deutsches Tagebuch

Cover: Ein deutsches Tagebuch
Edition FotoTapeta, Berlin 2015
ISBN 9783940524324
Gebunden, 256 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Marta Kijowska. Ausgewählt und herausgegeben von Marta Kijowska Krystyna Turkowska-Chwin. Wieso schreibt ein polnischer Autor aus Danzig, aus Gdansk, ein deutsches Tagebuch? Warum solch ein Buch 70 Jahre nach dem Ende des verheerenden Kriegs, mit dem Deutschland das Nachbarland überzogen hat? Weil die Nachbarschaft der beiden Länder, längst ein Musterbeispiel an Friedfertigkeit, nie ganz einfach sein wird. Und aufmerksame, kritische Beobachtung braucht. Die liefert Stefan Chwin in seinen Tagebuch-Einträgen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2015

Als ebenso verdienstvollen wie beeindruckenden Beitrag zum Völkerverständnis zwischen Deutschland und Polen würdigt Rezensentin Sabine Brandt Stefan Chwins "Deutsches Tagebuch". Wie der in Danzig geborene Schriftsteller, dessen Eltern die Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs am eigenen Leib erlebten und dem Sohn überlieferten, in klugen Beobachtungen von seiner Sehnsucht nach einer friedlichen Welt berichtet, ringt der Kritikerin größte Anerkennung ab. Angetan liest sie außerdem die Aufzeichnungen des Autors zum deutschen Wesen und zur deutschen Geistesgeschichte. Insbesondere aber bewundert Brandt Chwins vertrauensvolles Porträt von Günter Grass, den er ohne jede Wertung als eigensinnigen, aber doch gewöhnlichen Menschen darstellt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2015

Jan Koneffke erlebt den polnischen Autor Stefan Chwin in diesem Band mit Essays und Aphorismen als unbequemen Wahrheitssucher. Ob Chwin beim Abendessen mit Grass dessen Schweigen zu seiner SS-Mitgliedschaft auffällt oder er über das vermeintlich multikulturelle Danzig vor dem Krieg und ethnische Nachwende-Konflikte in Polen spekuliert - stets entdeckt Koneffke bei aller Finsternis des Blicks auch dessen Wahrhaftigkeit. Stereotype sucht er bei Chwin vergebens. Wenn der Autor die Beziehung zwischen Schön und Böse erkundet und sich als Erbe deutscher Bürgerlichkeit erweist, nimmt ihn der Rezensent gegen den Verdacht ein Deutschland-Versteher zu sein in Schutz. Scharf ist Chwin bei der Darstellung deutscher Verbrechen während des Warschauer Aufstandes, meint Koneffke.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Als Pflichtlektüre für jene Leser, die an einer deutsch-polnischem Verständigung interessiert sind, würdigt Rezensent Thomas Urban Stefan Chwins "Deutsches Tagebuch". Denn der polnische Autor bilanziert hier ein Vierteljahrhundert seiner Reisen durch Deutschland und stellt nicht nur eindringliche Fragen zur Beziehung zwischen Deutschen und Polen, sondern liefert auch Augenzeugenberichte wie etwa jenen seiner Mutter, die trotz der Massenmorde der SS beim Warschauer Aufstand 1944 als Sanitäterin später einem angeschossenen jungen SS-Mann half. Darüber hinaus liest der Kritiker in diesem glänzend übersetzten, doppelbödigen und spannenden Buch auch spöttische Seitenhiebe des Autors gegen Günter Grass oder jene Politiker, die allzu oft in "Versöhnungskitsch" abschweifen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.10.2015

Durch und durch sympathisch ist der polnische Schriftsteller Stefan Chwin dem Rezensenten Artur Becker. Einserseits, weil er sich nicht als Autor der Versöhnung geriert, andererseits, weil er eben doch Verständigung leistet, und zwar auf hohem Niveau, wie Becker findet, nämlich in Form einer ernsten wie ironischen philosophischen Beschäftigung mit den Deutschen. Günter Grass etwa, der, wie der Autor anlässlich eines Essens feststellt, die Tagebücher von Gombrowicz nicht gelesen hat, oder Hanna Schygulla, die er etwas exaltiert findet. Subversiv nennt Becker die Porträts. Wichtiger noch findet er das Buch, wenn Chwin historische Perspektiven und Werte hüben wie drüben vergleicht und demontiert und europäische Identitäten kritisch betrachtet. Der Autor mit seiner Vita und seiner Kenntnis scheint ihm dafür prächtig geeignet.