Je mehr sich der Übersetzer Simon Werle mit seiner Übertragung griechischer Tragödien in die Antike versenkte, desto stärker gewann er den Eindruck, es gehe von den altgriechischen Texten ein eigentümlicher Sog zum Weiterdichten aus. So entstand im Laufe eines Jahrzehnts eine Serie von acht dramatischen Dichtungen, die klassische Heldinnen wie Antigone und Medea neu beleuchten, sich vor allem aber mit Gestalten wie dem von Apollo gehäuteten Satyr Marsyas oder dem in einen Hirsch verwandelten Jäger Aktaion auf dramatisches Neuland wagen. Ein höchst ungewöhnliches Unterfangen: die Mutation der Antike in dramatische Dichtung des 21. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.04.2015
Peter Iden freut sich schon auf die Bühnenumsetzung des ein oder anderen Entwurfs von Simon Werle. Dass der Autor ein Euripides-Übersetzer ist, kommt den Texten laut Iden zugute. Genauigkeit in der Sprachführung hier wie dort, meint er. Und so werden ihm die Texte, die Motive und Motivfelder antiker Stoffe um Ödipus, Medea oder Antigone aufnehmen und zu heutigen gesellschaftlichen Zusammenhängen in Beziehung setzen, wie Iden schreibt, zum nahegehenden Genuss. Auch wenn die Dringlichkeit der aufgeworfenen Fragen wechselt, wie Iden einräumt, auch wenn die Motivdichte mitunter Mühe bereitet.
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