Ostberlin 2011: Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, Egon Krenz ist seit 22 Jahren an der Macht und die DDR nahezu pleite. Die Hauptstadt: ein maroder Moloch, verpestet und verdreckt von Millionen Ölmotoren des Trabant-Nachfolgers Phobos. Die letzte Chance für den Sozialismus: Wirtschaftsverhandlungen mit der BRD und ihrem Bundeskanzler Oskar Lafontaine. Doch dann wird ein ehemaliger Berater von Krenz ermordet aufgefunden - und alles weist darauf hin, dass die Täter aus den Reihen der Stasi kommen...
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 26.11.2011
Rezensentin Elke Eckert liebt Simon Urbans Roman "Plan D" für seine herrlich skurrilen Einfälle. Schon allein die Idee, die untergegangene DDR in einer überraschend realistischen Szenerie wieder auferstehen zu lassen, ringt der Kritikerin Anerkennung ab. Die Handlung: Zu viele Menschen gehen nach dem Mauerfall in den Westen und so wird die Mauer gleich wieder geschlossen, BRD und DDR sind jedoch wirtschaftlich voneinander abhängig. Darüber hinaus hat Urban seinen Roman um eine spannende und unterhaltsame Krimihandlung angereichert, so Eckert. Die Rezensentin folgt einem gutaussehenden Westkommissar und seinem desillusionierten Kollegen aus dem Osten bei ihren Ermittlungen gegen den Widerstand der Stasi und trifft dabei etwa auf eine senile, im Seniorenheim lebende und Wolf Biermann hörende Margot Honecker. Bei so vielen Ideen verzeiht Eckert dem Autor, der hier auch seinem Talent als Texter einer Werbeagentur alle Ehre macht - etwa mit dem Slogan "Jetzt haben Sie Redefreiheit" für das Ost-Handy "Minsk" - gern die ein oder andere überflüssige Länge, in der sich der angestaute Frust über die DDR entlädt.
Ursula März hebt den Daumen: erstklassiger Thriller und "kühn-exzentrische DDR-Fantasie", das muss einer diesem Debütanten erst mal nachmachen. Schon die Grundidee findet sie ausgezeichnet. Simon Urban behauptet einfach, die DDR existiere immer noch. Es gebe nach wie vor zwei deutsche Staaten, der Trabbi sei entsorgt, das Handy der Ostgenossen heiße Minsk und Otto Schily, 1992 nach drüben emigriert, sei Minister für Staatssicherheit. Während man noch damit beschäftigt ist, diese Informationen zu verdauen, erzählt März etwas von einem Mordfall, den ein Ost- und ein Westkriminaler zusammen aufklären sollen. März verspricht Politik, Sex und Gewalt. Eine blühende Fantasie, die sie dem Autor unterstellt, kann da nur helfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2011
Mit uneingeschränktem Lob bespricht Rezensent Hannes Hintermeier Simon Urbans "formidablen" Debütroman "Plan D". Schon auf die Idee, die DDR nach kurzem Maueröffnungszwischenfall einfach wieder aufleben zu lassen, müsse man erst mal kommen. Aber was dem folgt, suche seines Gleichen, so der Rezensent: Margot Honecker sitzt im Ferienheim "Alpha", Sahra Wagenknecht feiert Leinwanderfolge und Staatsratsvorsitzender Egon Krenz trifft sich mit dem BRD-Kanzler Oskar Lafontaine zum Wettessen von Thüringer Würsten, um nach einem unliebsamen "Spiegel"-Artikel von Chefredakteur Claus Kleber die Gasversorgung der Bundesrepublik zu sichern. Mit "sprachverliebter Verve" entwerfe Urban ein ironisches Gesellschaftspanorama, in welchem Ballack auf Hiddensee ein Trainingslager leite und Kühe als "Raufutter verzehrende Großvieheinheit" bezeichnet würden. Zudem gelinge dem Autor ein "ambitionierter" Agententhriller um Stasi-Machenschaften und als "Öko-Terroristen" getarnte Regime-Gegner, der mit sprachlichem Überschwang und zahlreichen Toten, Verfolgungsjagden und Sexorgien aufwarte.
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