Aus dem Englischen von Bernhard Jendricke und Sonja Schuhmacher. Die repräsentative Politik befindet sich in einer Krise - häufig ist die Rede von einer Entpolitisierung, die sich unter anderem in einer permanent zurückgehenden Wahlbeteiligung zeige. Die Demokratie muss sich neu einrichten in einer von Migration und Globalisierung bestimmten Welt, in der immer mehr Menschen ihr Leben - ob freiwillig oder notgedrungen - mit wechselnden oder multiplen Zugehörigkeiten, Loyalitäten und Interessen gestalten. Dabei geht es um mehr als den Rollenwandel der Parteien und der Politiker in den Institutionen der repräsentativen Demokratie. Es entstehen neue, durch soziale Medien schnell zusammenfindende bürgerschaftliche Initiativen, die den unterschiedlichsten Bedürfnissen eine Stimme geben. Ihr Ziel ist die unmittelbare politische Resonanz, die Kontrolle und Korrektur von politischen Entscheidungen. Tormey ergründet diese Veränderungen anhand eines vielfältigen Tableaus von Beispielen, wie den Protesten in Spanien und Brasilien oder den Initiativen Podemos, Occupy und Anonymous.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2015
Peter Graf Kielmansegg ist nicht glücklich mit dem Essay des Politikwissenschaftlers Simon Tormey. Seine Kernthese vom Ende der repräsentativ-demokratischen Politik zugunsten von Protest und Engagement des Einzelnen weiß der Autor laut Rezensent zwar mit Beispielen von den Zapatistas in Mexiko bis zur Occupy-Bewegung zu untermauern. Tormeys Argumentation, die die Krisenbeschreibung des Parteiensystems und die historische Verortung des Repräsentativsystems einschließt, zerfällt für den Rezensenten an dem Punkt, da der Autor engagierter Bürger und Wissenschaftler zugleich sein möchte, den Protest idealisiert und die repräsentative Demokratie als elitär verdammt. Für Kielmannsegg geht das an der komplexen Wirklichkeit vorbei und an der Tatsache, dass repräsentatives Handeln nun mal das Wesen der Politik an sich ist.
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