Simon Schama

Rembrandts Augen

Cover: Rembrandts Augen
Siedler Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783886807024
Gebunden, 768 Seiten, 65,45 EUR

Klappentext

Subskriptionspreis bis 31.1.2001: 98 Mark. Mit 180 Farb- und 194 Schwarzweißabbildungen. Aus dem Englischen von Bettina Blumenberg. Simon Schamas Buch verbindet auf ganz ungewöhnliche Weise Biografie und Kunstgeschichte. Er macht seine Leser anhand der Bilder Rembrandts mit dessen Welt vertraut, mit ihren Figuren und Gedankenentwürfen, aber auch mit ihren Geräuschen und Gerüchen oder mit den großen politischen Strömungen des siebzehnten Jahrhunderts: dem Krieg der protestantischen Niederlande gegen das katholische Spanien, dem extremen Calvinismus in Rembrandts Geburtsstadt Leiden, mit den Forderungen seiner Auftraggeber und mit seinen Zeitgenossen. Schama zeigt, welche Schlüsselrolle Rembrandts geliebte Frau Saskia und, nach ihrem Tod, seine Geliebte Hendrijcke Stoffels einnahmen. Er zeigt den Einfluss von Peter Paul Rubens, von dem Rembrandt sich später löste. Seite für Seite schafft Schama in seinem Buch Rembrandts Leben neu. Er sieht die Welt mit Rembrandts Augen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001

Als Anreiz für einen Rekurs auf Rembrandt will Fritz Göttler zwei bereits im vergangenen Jahr erschienene Bücher in Erinnerung rufen: "Rembrandts Augen" von Simon Schama und Bernard Baas' Studie "Die Anbetung der Hirten oder Über die Würde des Helldunkels". Leider hat Göttler nichts als Kino im Kopf. Und so fällt ihm zu der an sich höchst spannenden Doppel-Signifikanz der von Baas mit Lacan, Heidegger und Valéry in Augenschein genommenen Radierung neben ein paar dem Band entliehenen Zitaten nur ein taubes "Gemaltes Kino eben" ein. Wirklich nicht viel.
Schama dagegen findet Göttler richtig "cool, weil er in seinem Riesenwerk immer wieder in die Close-up geht." Getipptes Kino eben, samt "Vertigo-Effekt", was heißen soll, dass "Schama sich in die Bilder hineinschraubt" oder der Leser - in die Bilder oder den Text. Denn in jedem Fall ist Schama "ein Suchender eher als ein Wissender." Genau wie der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Nils Minkmar bespricht "Rembrandts Augen" in einer sehr schönen, klugen und witzigen Rezension. Bisher, so Minkmar, hat Schama abwechselnd herausragende und hastige, nahezu peinliche Bücher geschrieben. In seinem neusten Buch finde sich beides - und zwar "in verblüffender Nähe". So hält er Schamas These, dass sich der getriebene Rembrandt nur in Angleichung und Abgrenzung zu dem genialen Rubens verstehen lässt, für wenig überzeugend. Der aufgebaute Gegensatz ist höchstens für den Spannungsbogen des Buches nützlich. Auch die kulturhistorischen Miniaturen, die Schama in sein mehr als 700-seitiges Werk einstreut, hält der Rezensent für ziemlich misslungen. Doch das Buch hat laut Minkmar sehr gute Passagen, und zwar wenn sich Schama auf wissenschaftlich fundiertem Terrain bewegt. Auch die Schilderung der ausweglosen Lage, in die sich Rembrandt hineinmanövriert hat, findet Minkmar glänzend. Und dann die Bildinterpretationen! Die sind für Minkmar schlicht atemberaubend. Sein Fazit: "Einige konzise sozial- und kulturgeschichtliche Kapitel, dazu die Bildinterpretationen: das wäre ein richtig gutes Buch geworden."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.10.2000

Die Frankfurter Rundschau druckt eine ausführliche, zuvor in der Los Angeles Times Review of Books erschienene Rezension der bedeutenden Kunsthistorikerin Svetlana Alpers in deutscher Übersetzung nach. In ihrer Beurteilung von Simon Schamas Versuch einer neuen Interpretation von Rembrandts Leben und Werk bleibt Alpers ambivalent. Sie setzt sich vor allem mit Schamas These auseinander, dass Rembrandt Rubens nachgeeifert habe - und darin gescheitert sei. Für die Karriere bei Hofe mag das zutreffen, räumt Alpers ein, im Künstlerischen aber gebe es keine nennenswerte Verwandtschaft der beiden Maler. Schama versucht, Rembrandts Genie über den Umweg des Versagens in der Rubensnachfolge zu beschreiben, Alpers hingegen affirmiert seine Genialität ganz umstandslos. Rubens war "ein mögliches Ereignis", "Rembrandts Kunst" hingegen kam eher aus dem Nichts: "Sie brach aus." Zuletzt stellt Alpers noch fest, dass Schama eine "Vorliebe für die gelebte Welt " hat und auch Rembrandts Werk in diese Richtung interpretiert - ob sie das gut findet oder nicht bleibt wie so manches andere in dieser Rezension offen.
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