Anthony Bailey

Vermeer

Cover: Vermeer
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886807451
Gebunden, 302 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Übersetzt von Bettina Blumenberg. Mit 50 Abbildungen. 1653 wurde der 21-jährige Gastwirtssohn Johannes Vermeer in Delft in die Lucas-Gilde seiner Stadt aufgenommen. Vermeer erfreute sich bis zu seinem Tod 1675 allseitiger Anerkennung als Maler in seinem Ort. Aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte die Welt sein Genie. Anthony Bailey zeichnet ein Porträt von Vermeers Leben und Werk. Er macht die Atmosphäre des 17. Jahrhunderts lebendig, stellt uns die zeitgenössischen Künstler vor und zeichnet Vermeers häusliches Leben nach. Bailey erschließt das Wissen und die Kunstfertigkeit hinter den ruhigen, geheimnisvollen Bildern, erläutert Vermeers raffinierte Technik der Perspektive und seine Methode der räumlichen Verdichtung mit Hilfe der Camera obscura.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.04.2002

Das Genre des populären wissenschaftlichen Essays ist eher in den angelsächsischen Ländern zuhause, wo diese "schöne Kunstform" seit langem gepflegt wird, schwärmt Hans Jakob Meier. In Anthony Bailey sieht er einen überzeugenden Stilisten, der Wissenschaft und Literatur gekonnt zusammenbringt. Mit geradezu kriminalistischem Gespür begebe sich Bailey - anhand der Delfter Stadtchronik - in jene bewegte Zeit zurück, in der politische und religiöse Unruhen in Holland an der Tagesordnung waren. Ein gelungenes Sittenporträt jener Zeit, soweit ist Meier mehr als einverstanden. Leider jedoch versuche der Verfasser seinem Gegenstand - über Vermeer sind in der Stadtchronik ganze drei Zeilen vermerkt! - mehr abzutrotzen als die Quellen hergeben, meint Meier. Bailey versuche, uns ein Wesen aus Fleisch und Blut, mit all seinen mutmaßlichen Alltagsproblemen zu schildern. Aber gerade, indem er die möglichen Lebensumstände ausmale, unter denen Vermeer gelebt haben könnte, meint Meier, wirke der Maler letztlich leblos und konturenlos, eben weil Leben nur vorgetäuscht werde. Vermeer bleibt der große Unbekannte, so Meier.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2002

So manche Fachwissenschaft verdankt nicht den eigenen Koryphäen des Fachs, den Spezialisten und Wissenschaftlern mit ihrem Fachchinesisch, das sie häufig gar nicht nach außen vermitteln können oder wollen, sondern den von außen als Vermittler auftretenden Sachbuch-Autoren eine gewisse Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Diese Meinung vertritt jedenfalls Martin Warnke in seiner Rezension von Anthony Baileys Buch über den Delfter Maler Vermeer, das die Forschungsergebnisse des 20. Jahrhunderts zusammenträgt, auswertet und das Wesentliche weiterreicht. Bei Vermeer braucht sich der Autor nicht mehr um die Akzeptanz seines Gegenstandes zu kümmern, er muss also keine inhaltliche Überzeugungsarbeit leisten, so Warnke. Ein Grund, weshalb die Gemälde Vermeers relativ konventionell vorgestellt und abgehandelt werden. Was das Leben des holländischen Malers angeht, stellt sich das Problem, dass man über Vermeer kaum etwas weiß: die Faktenlage ist mehr als dürr, weiß Warnke. Das kümmere Bailey wenig, der stattdessen die Eckdaten von Vermeers Biografie nehme und ein Sittenportrait der Zeit und jener Stadt liefere: so hätte es gewesen sein können. Das ganze ist anschaulich und glänzend geschrieben, meint Warnke, der Bailey für einen großen Stilisten hält. Auf eine prunkvolle Aufmachung des Buches habe der Verlag verzichtet.
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