Sigrid Nunez

Der Freund

Roman
Cover: Der Freund
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351034863
Gebunden, 235 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Annette Grube. Als die Ich-Erzählerin, eine in New York City lebende Schriftstellerin, ihren besten Freund verliert, bekommt sie überraschend dessen Hund vermacht. Apollo ist eine riesige Dogge, die achtzig Kilo wiegt. Ihr Apartment ist eigentlich viel zu klein für ihn, außerdem sind Hunde in ihrem Mietshaus nicht erlaubt. Aber irgendwie kann sie nicht Nein sagen und nimmt Apollo bei sich auf, der wie sie in tiefer Trauer ist. Stück für Stück finden die beiden gemeinsam zurück ins Leben. Ein Roman über Liebe, Freundschaft und die Kraft des Erzählens - und die tröstliche Verbindung zwischen Mensch und Hund.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.02.2020

Rezensent Ijoma Mangold hält für unwiderstehlich, wie Sigrid Nunez in ihrem Roman Hundeliebe, Erinnerung an einen verstorbenen Freund und Zeit- und Gesellschaftskritik verbindet. Mangolds Seel und Brustkorb weiten sich angesichts der Menschenkenntnis und des Witzes, mit denen die Autorin vom Leben nach dem Tod eines guten Freundes erzählt. Der autobiografische, ambivalente Bericht stellt zum Leser eine große Nähe her, erläutert Mangold, und lässt ihn teilhaben an Reflexionen über Mensch und Tier, Moral und ihre Fragwürdigkeit.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.01.2020

Ganz ohne "Sentimentalitäten oder Kitsch" schreibt Sigrid Nunez in ihrem Roman "Der Freund" über ein beliebtes Sujet in der Literaur, wie Isabelle Caldart in ihrer Rezension festhält. In das Leben der einsamen Ich-Erzählerin, die wie Nunez selbst Autorin und Dozentin für Kreatives Schreiben ist, tritt nach dem Selbstmord des besten Freundes plötzlich die "arthritische Dogge" Apollo. Aus dem unfreiwilligen Erbe entwickelt sich eine Freundschaft, die Nunez aus Sicht der Rezensentin warmherzig und humorvoll erzählt. Was die Erzählung von anderen abhebt, sind Caldart zufolge Reflexionen und Zitate über Literatur sowie popkulturelle Bezüge, die Nunez versiert in ihre Geschichte einfließen lässt. Glücklich ist die Rezensentin über den Durchbruch, der Nunez nach sieben veröffentlichten Büchern mit "Der Freund" endlich gelungen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.01.2020

Rezensentin Sarah Pines hat Sigrid Nunez in einem Café auf der Upper West Side getroffen, um mit ihr über ihren neuen Roman "Der Freund" zu sprechen. Darin versucht die Erzählerin, eine Autorin, über den Selbstmord ihres Mentors hinwegzukommen, erklärt Pines. Im Gegensatz zu der amerikanischen Kritik, die das Buch als intime Auseinandersetzung mit der Trauer gepriesen hat, liest die Kritikerin es als scharfe "Abrechnung mit dem Literaturbetrieb": Aus dem Roman spricht ihr zufolge Nunez' Enttäuschung darüber, dass junge Autoren heute mit Narzissmus glänzen und selbst kaum mehr lesen. Im Umkehrschluss wird der Band für Pines zu einer Reminiszenz an den Zauber der New Yorker Literaturszene in den achtziger Jahren, wo Nunez mit Susan Sontag zur Bohème der Westside gehörte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.01.2020

Rezensentin Sonja Hartl hält Sigrid Nunez für eine Schriftstellerin aus Berufung. Die Geschichte um den Selbstmord ihres besten Freundes, den die Erzählerin, eine Schriftstellerin, im Buch reflektiert, wobei das Verhältnis von Literatur und Erinnerung diskutiert wird, erzählt Nunez laut Hartl mit "pointierten Seitenhieben" gegen das literarische Geschäft. Dass und wie die Autorin zwischen Leichtigkeit, Witz und Ernst den richtigen Ton trifft, starke Figuren und eine raffinierte Handlung bietet und die Verbundenheit von Leben und Literatur unter Beweis stellt, findet Hartl lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.01.2020

Über Schreiben und Leben liest Cornelia Geißler in diesem Roman von Sigrid Nunez. Das Buch kann sie kaum aus der Hand legen, etwa wegen der Dogge, die eine Frau im Buch von ihrem Freund erbt und die Nunez laut Geißler als Verbindungsglied zwischen den Lebenden und den Toten in Szene setzt. Oder wegen der Bezüge zu Literaten, die der Schriftstellerberuf der Erzählerin eröffnet und die laut Geißler von Rilke bis zu Toni Morrison reichen. Der Erzählstrom des Textes erscheint ihr soghaft, sogar wenn Nunez die Entstehungsbedinungen des Buches und ihren Alltag mit reflektiert.