Es beginnt immer bei Null, frisch und unschuldig, mit einem harmlosen Vorhaben, einer nicht ganz alltäglichen Aufgabe oder der Idee zu einem kleinen Abenteuer. Das kann ein Waldspaziergang sein, ein Ausflug zu einem Perchtenlauf, ein Besuch auf einem Flohmarkt oder in einem Swingerclub, eine Prüfung, die als Spiel nur schlecht getarnt ist. Und immer sind es dieselben zwei, er und Marianne, die sich am Ende einer Wirklichkeit ausgesetzt sehen, in die das Unerwartete mit dem ganzen Schrecken eines Alptraums einbricht, der blanke Horror, etwas, das sich ihrer Kontrolle entzieht und dem nicht zu entkommen ist. Auch wenn es sie das Letzte kosten könnte, sie riskieren es, als gäbe es auf dieser Welt nichts mehr zu verlieren. Xaver Bayer erzählt das Ungeheuerliche ohne Rührung und mit einer Neugier, die vor keinen Konsequenzen zurückschreckt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.06.2020
In jeder dieser zwanzig Erzählungen wird ein namenloser Ich-Erzähler von einer Marianne in kuriose Situationen gestürzt, verrät Rezensentin Cornelia Geißler; etwa schicke sie einen der Erzähler in den Keller, um etwas zu holen, woraufhin er in die Tiefe stürze. Manchmal trotz der Realitätsferne durchaus kritisch, in jedem Fall aber unheimlich unterhaltsam, haben die Stories der Kritikerin gut gefallen, nur fand sie die dramatischen Kippmomente ins Irreale auf Dauer ein wenig ermüdend.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper hält Xaver Bayers poetische Irrfahrten zwischen Traum und Realität für lesenswert. Wie der Autor seine Figuren, namentlich ein etwas skurriles Paar, immer wieder in alptraumhafte Erlebnisse stolpern lässt, zeugt für den Rezensenten von der Fähigkeit, die Welt mittels Literatur in Wunder zu verwandeln, wenngleich auch mitunter in wundersamen Horror. Das erinnert Wüllenkemper an Peter Handkes frühe Helden. Wenn dabei die Konstruktion des "zelebrierten Defätismus'" mal durchscheint, nicht so schlimm, findet der Rezensent.
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