Filme sind Formen von Erfahrung. In ihrer Vielfalt vermitteln sie uns einen Sinn für die Veränderlichkeit von Lebensweisen: für Geschichte. Sie projizieren Vorstellungen von Freiheit und Festgelegtem, spüren dem Faszinierenden und Fremdgewordenen im Urbanen nach - der Strahlkraft der Stadt.
Ein ebenso liebevolles wie theoriefreudiges Verständnis von Kino inspiriert die Film-Schriften von Siegfried Mattl (1954-2015); sie waren ein wesentlicher Teil der Arbeit des Wiener Historikers. Vom "Historienkino" eines Stanley Kubrick, Ridley Scott oder Todd Haynes zu Körperbildern bei David Cronenberg oder in Hollywoods Koreakriegsfilm; von Auftragsfilmen über Stadtplanung und Wäschewaschen bis zu Amateurfilmen mit "Führerkonvoi" und "Bubenwallfahrt"; vom "Bewegungskino" rasender Slapstick-Performer und marschierender Proletarier bis zu Wien-Ansichten von Ernst Schmidt jr. und den Gebrüdern Lumière: Mattls Essays und Studien (von denen einige hier erstmals publiziert werden) sind reich an Deutung, Material und Kontext, an Witz und Kritik, oft im Dialog mit dem Film- und Geschichtsdenken bei Siegfried Kracauer, Michel Foucault und Jacques Rancière.
Quer durchs Rote Wien, Hanekes Weiß und Dylans Blues lädt uns Mattl ein, zurück und voraus zu schauen - auf Ephemeres, das zu Geschichte wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.02.2017
Fritz Göttler findet in den Texten des Historikers Siegfried Mattl zum Kino im öffentlichen Raum und der Dialektik zwischen Kino und Stadt etwas vom alten Zauber des Lichtspiels wieder: Kino bevor es Kunst wurde. Das Ephemere des frühen Kinos, die Zufälligkeit seines Blickes kann ihm der Autor anhand von Filmen aus der Stadt Wien nachvollziehbar machen. Wie Wien bei den Brüdern Lumière oder San Francisco bei den Miles Brothers zum Erinnerungsort wird oder der frühe dokumentarische Film die städtischen Massen begleitet, darüber erfährt Göttler in den in diesem Band versammelten Texten Aufschlussreiches.
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