Sibylle Lewitscharoff

Das Pfingstwunder

Roman
Cover: Das Pfingstwunder
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425466
Gebunden, 350 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Der Ort ist prachtvoll, die Stimmung aufgeräumt: Renommierte Dante-Gelehrte aus aller Herren Länder tagen im altehrwürdigen Saal der Malteser auf dem römischen Aventin, mit Blick auf den Petersdom. Im Mittelpunkt steht die Göttliche Komödie, Dantes realismusgetränkter Einblick in die Welt nach dem Tod. Einer der eifrig Debattierenden ist Gottlieb Elsheimer, Frankfurter Romanist und nach eigener Einschätzung eher ein Kandidat fürs Fegefeuer als fürs Paradies. Bei aller Leidenschaft für den Forschungsgegenstand scheint ihm das zunehmend ausgelassene Verhalten der Kollegen seltsamer und seltsamer. Als die Kirchenglocken das Pfingstfest einläuten, bahnt sich ein Ereignis unbegreiflicher Art an.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2016

Roman Bucheli wachsen Flügel beim Lesen von Sibylle Lewitscharoffs Geschichte um einen Dante-Kongress, der in die Luft geht. Erzählt vom buchstäblich am Boden gebliebenen Ich-Erzähler, entfaltet diese Begebenheit nicht nur Dante-Exegesen und allerhand Schlaues über Himmelfahrten und Purgatorien und die Gedankenwelt des Abendlandes, meint Bucheli, sondern auch eine den Leser erschütternde sinnlich-musikalische Sprachkunst. Auch ohne Dante-Vorkenntnisse lässt sich mit diesem Buch fliegen, versichert der Rezensent, auch wenn die Autorin einigen bleischweren Gesinnungsballast dranhängt, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2016

Kristina Maidt-Zinke mag an Sibylle Lewitscharoff ihren Sinn fürs Wunderbare und Transzendente, ja Jenseitige. Bei allem realistischen Erzählen gelingt das hervorragend auch im neuen Roman der Autorin, versichert die Rezensentin, und zwar in Form einer wahrhaftigen Levitation gleich einer ganzen Abteilung von Dante-Forschern, die einfach aus dem Sitzungssaal entschweben und nicht mehr gesehen werden, alle bis auf einen. Den solcherart zurückgebliebenen Erzähler schließt Maidt-Zinke ins Herz, weil er so schön zwischen Verwirrung, Schauder und selbstironischem Beleidigtsein (darüber, dass er nicht mit entschweben durfte) schwankt und ein so verlässlicher Chronist ist. Dass der laut Rezensentin auch sprachspielerisch genussreiche Text sich darüber hinaus gut als gelehrte Einführung in Dantes "Commedia" lesen lässt, macht ihn für Maidt-Zinke noch interessanter.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2016

Sibylle Lewitscharoffs neues Buch ist definitiv kein Roman, auch wenn die Autorin mit mehr oder weniger gestalterischem Erfolg versucht hat, ihr "Lektüre- und Reflexionstagebuch" in Romanform zu pressen, klagt Rezensent Lorenz Jäger. Absurd erscheint ihm die Idee der Autorin, die im Buch auftretenden Teilnehmer eines Dante-Kongresses in Rom würden alle Gesänge Dantes leserfreundlich Stück für Stück abhandeln, statt sich an autonomen wissenschaftlichen Fragestellungen zu orientieren. Und obwohl sich der Kritiker auch noch über die ein oder andere Phrase auslässt, die ihm wie aus einem Mädchenroman der frühen sechziger Jahre entsprungen scheint, entdeckt er in diesem Buch dann doch nicht nur ausgezeichnete Beobachtungen, etwa wenn Lewitscharoff die einzelnen Figuren aus Dantes "Göttlicher Komödie" präzise umreißt oder einen snobistischen, von der "eigenen Großherzigkeit gerührten" Akademiker porträtiert, sondern auch herausragende Passagen, etwa über die "Natur der Wahrheit". Nur ein Roman sei es halt nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.09.2016

Rezensentin Judith von Sternburg kommt nicht klar mit Sibylle Lewitscharoffs neuem Roman. Sie wird sogar den Verdacht nicht los, dass die Autorin hier "Stinkkonservatives" zu Gehör bringt, im Mantel des Spielerischen, Verschrobenen. Ihr Pantoffelheld, ein Danteforscher, der die wundersame Levitation seiner Kollegen nicht mitmachen darf und also allein in der Wohnung hockt und stattdessen drollig herumsalbadert und die "Commedia" für die Leserin zusammenfasst, zündet bei Sternburg nicht mal als Kontrastprogramm zu Dantes Höllenfahrt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.09.2016

In ihrem neuen Roman "Das Pfingstwunder" läuft Sibylle Lewitscharoff zu Höchstform auf, jubelt Rezensent Marc Reichwein und erklärt: Die Dante-Forschung ist um ein Meisterwerk reicher. Warum? Weil die Autorin in ihrem Buch, das von einer Dante-Tagung in Rom berichtet, auf der sich alle Teilnehmer - bis auf den Ich-Erzähler - in einem "leiblosen Wörternirvana" in Luft auflösen, Diskurse der internationalen Dante-Forschung referiert, "Gelehrtensatire" auf den Wissenschaftsbetrieb und theologisches Fundament gleichsam unterbringt und sich dennoch nicht in rein intellektuellen Reflexionen verliert, erklärt der Kritiker: Dafür sorgen nicht nur Volten wie der Tagungshund Kenny, der wie ein "Metakommentar" erscheint, oder die witzige Typologie der Tagungsteilnehmer, sondern auch Lewitscharoffs Sprachfeuerwerk, das von Schwäbisch und Schwyzerdütsch über Türkisch und "Theologisch" bis zu zahlreichen Wortschöpfungen reicht, schwärmt der Rezensent. Wie die Autorin Analogien zwischen der archaischen Regellosigkeit der Hölle und den Zuständen in Syrien, Gaza, Libyen oder dem Irak zieht, Dantes Höllenquallen mit den NS-Konzentrationslagern kurzschließt oder das Islambild Dantes erklärt und bei ihrer Reise durch Dantes hundert Gesänge doch "spielerisch-lustvoll" bleibt, ringt dem Kritiker größte Bewunderung ab.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.09.2016

Es bedarf schon einiger Begeisterung für Dantes "Göttliche Komödie", um Sibylle Lewitscharoffs neuen Roman wertschätzen zu können, warnt Rezensent Ulrich Greiner. Denn die Geschichte um den Dante-Forscher Gottfried Elsheimer, der als einziger Teilnehmer eines Dante-Kongresses in Rom nicht gen Himmel fährt, sich fortan mit Fragen der Theodizee beschäftigt, von Vergil in die "Spiralen des inferno" herabgeführt wird und äußert gelehrt alle deutschen Dante-Übersetzungen, inklusive derjenigen Rudolf Borchardts durchrezensiert, zeugt vor allem von Lewitscharoffs Leidenschaft für die Commedia, berichtet der Kritiker. Das Buch ist trotz der fantastischen Konstruktion mehr Traktat als fiktionaler Roman, in jedem Falle aber klug und - abgesehen von ein paar bemüht lebendigen Passagen - auch unterhaltsam zu lesen, lobt Greiner.
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