Aus dem Englischen von Uwe Opolka. Die beiden in diesem Band enthaltenen Texte stellen einen Beitrag zum gesellschaftstheoretischen und politischen Denken der Gegenwart dar. Eisenstadt konzentriert sich in ihnen auf die zentralen Fragen und Herausforderungen, die sich der Demokratie und der politischen Theorie zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen. Einsichten aus Geschichte, Soziologie und politischer Theorie verknüpfend bietet er eine tiefgründige und originelle Untersuchung der komplexen Struktur von Demokratie und der ihr immanenten Spannungen (im ersten Text) sowie der Stärken, Tendenzen und Mängel der zeitgenössischen politischen Theorie (im zweiten).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.10.2005
Es liegt Shmuel Eisenstadt zufolge darin das Paradox der Demokratie: Sie ist grundsätzlich stabil und hat sich auch vom mörderischen 20. Jahrhundert nicht ihrer Ausbreitung stoppen lassen, doch gerade durch ihre Offenheit, dadurch, dass sie sich in Reaktion auf politische Interessen "fortlaufend neu definiert", ist sie auch krisenanfällig und erschütterbar. Gerhard Preyer lobt diesen Analyseansatz als überaus nützlich für den klaren Blick auf die politische Gegenwart, zumal Eisenstadt seit zwei Jahrzehnten die Funktion politischer Systeme in Europa, den USA und Japan vergleichend beobachtet. Es wird also in einer Demokratie zwangsläufig Konflikte geben, die sich "einer Harmonisierung entziehen"; es besteht die Gefahr, dass kurzfristige oder populistische Interessen die Möglichkeit einer langfristigen Gestaltung der Gesellschaft behindern. Was tun? Da Eisenstadt nicht davon ausgeht, dass eine Gesellschaft vollkommen gerecht sein kann, sieht er die Lösung in einer permanent ausgleichenden Wirkung "zivilgesellschaftlicher Vereinigungen". Für den Rezensenten ist eine weitere Lehre: Politische Institutionen brauchen einen "Vertrauensvorschuss", um die Stabilität der Demokratie sichern zu erreichen.
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