Sergej Lebedew

Kronos' Kinder

Roman
Cover: Kronos' Kinder
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783103973730
Gebunden, 384 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Franziska Zwerg. In seinem neuen Roman entdeckt Sergej Lebedew seine deutschen Wurzeln. Als der betrunkene Nachbar in den Gänsen die Deutschen zu erkennen glaubt und sie wildwütig abmurkst, ahnt der kleine Kirill, dass das Verhältnis von Russen und Deutschen ein besonderes sein muss. Seine Großmutter Karolina kann so manche Geschichte erzählen, sie ist die letzte Überlebende aus dem deutschen Zweig der Familie. Mit Karolinas Erinnerungen im Gepäck zieht der inzwischen erwachsene Kirill los und sucht in Leipzig, Halle und Münster nach seinen deutschen Ursprüngen. Auf der Suche nach seinen Ahnen findet Kirill quer durch zwei Jahrhunderte deutsch-russische Geschichte. Nicht unmöglich, dass sich in der Schlacht von Stalingrad zwei Verwandte als Feinde gegenüberstanden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.01.2019

Dass die Frage nach Täter oder Opfer oft nur eine der Gelegenheit ist, daran erinnert sich Sonja Zekri beim Lesen von Sergej Lebedews Roman. Wenn der Autor von der deutschen Minderheit in Russland erzählt, hat das für sie nichts Weinerliches, sondern zeigt ihr deutlich die Logik des Terrors und der Verfolgung. Mit seinen autobiografischen Einsprengseln einerseits und seiner historischen Materialfülle andererseits bleibt der Text für Zekri leider allzu unentschieden, unfertig. Das Erzählen selbst scheint ihr hier ausgebremst.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2019

Sergej Lebedews neuer Roman über einen russischen Historiker, der seine Familiengeschichte aufarbeitet, hat Rezensentin Christiane Pöhlmann an ein Sachbuch ohne Quellenverweise erinnert, das ihrer Meinung nach aber mit Sinnfälligkeit und Authentizität punktet. Die Kritikerin hält die deutsche Übersetzung zwar für ebenso wenig gelungen wie den Spannungsaufbau der Geschichte, entdeckt dafür aber starke einzelne Szenen, die gekonnt die Atmosphäre der jeweiligen geschilderten Zeit einfangen, ob Lebedew die Vorfahren seines Protagonisten nun durch die verschlungenen deutsch-russischen Beziehungen, die Wirtschaftskrise der 90er Jahre oder den russisch-japanischen Krieg schickt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2018

Rezensent Harald Jähner hat sich von Sergej Lebedew zu einer beglückenden "Séance" einladen lassen, denn dessen neuer Roman "Kronos' Kinder" erscheint ihm als Beschwörung der Ahnen des Russen Kirill, der zu einem Viertel von Deutschen abstammt. Teilweise autobiografisch inspiriert, teilweise historisch genau und teilweise frei fabulierend, versenkt sich Lebedew laut Rezensent bis zurück ins Jahr 1805 in eine verschlungene Familiengeschichte, die nicht nur die deutsch-russischen Verhältnisse ausleuchtet, sondern auch ein wahres Füllhorn an Metaphern ausschüttet. Auch wenn Lebedew es nach Jähners Meinung mit den Stilmitteln ein wenig übertrieben hat, der "breit sich dahinwälzende Sprachstrom, auf dem irrlichtend schöne Bilder treiben", hat ihm sehr gut gefallen.