Übersetzt von Andreas Breitenstein. Aufzeichnungen aus einer brennenden Stadt. Am 24. Februar 2022 startet die russische Armee einen großangelegten Überfall auf die Ukraine. Schnell gerät die nah an der Grenze gelegene Millionenstadt Charkiw unter starken Beschuss. Hunderttausende Menschen fliehen. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow jedoch bleibt in der umkämpften Frontstadt. Bald schon fehlt es an sauberem Wasser, Essen und medizinischer Infrastruktur. Die Thermometer zeigen hohe Minusgrade, die Menschen frieren. Gerassimow beginnt über die Absurdität eines Alltags im Krieg zu schreiben. Das Ergebnis ist ein aufwühlendes Zeitzeugnis, ein Appell zum Frieden und zur Verständigung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.07.2022
Mit angehaltenem Atem liest Rezensent Jörg Plath die Aufzeichnungen, die Sergej Gerassimow von Kriegsanfang bis zum 18. Mai für die NZZ führte. Im Buch enthalten sind die Einträge bis zum 18. April, jeweils zwei bis drei Seiten lang, gehalten in der Form von Anekdoten, Berichten, Beobachtungen und Erinnerungen auch an "andere Russen", erklärt der Kritiker. Mit Diskretion und Knappheit, weitgehend auf Nachrichten von der Front verzichtend, erzählt ihm der in Charkiw lebende Autor von Menschen, die Tage lang vor Apotheken und Supermärkten warten, bis die Zehen abgefroren sind, von Zerstörung und Angst. Zugleich zeugen die "intelligenten" Texte von einer Auseinandersetzung mit der Politik der Ukrainer, von Nationalismus und Patriotismus, schließt Plath.
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