Sascha Lübbe

Ganz unten im System

Wie uns Arbeitsmigrant*innen den Wohlstand sichern
Cover: Ganz unten im System
Hirzel Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783777634081
Kartoniert, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Sie malochen auf deutschen Baustellen, putzen Büros und Toiletten, machen Hotelbetten, waschen Pflegebedürftige in Altenheimen, sitzen im LKW oder schuften in Schlachthöfen: Arbeitskräfte aus dem Ausland stützen unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft. Die Gastarbeiter von heute sind nicht selten der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgesetzt. Urlaub, Arbeitsunfälle und Krankheit gehen oft auf eigene Kosten. Sascha Lübbe geht dorthin, wo es wehtut, dorthin, wo mitten im reichen Deutschland Ausbeutung von Arbeitnehmern an der Tagesordnung ist. Er besucht die Menschen, die oft ohne Rechte und erst recht ohne Respekt mit ihrer Arbeit unser System am Laufen halten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.11.2024

Für den Rezensenten Nils Schniederjann hat Sascha Lübbe mit seiner Reportage über den Niedriglohnsektor eines der wichtigsten Bücher des Jahres geschrieben, das die Schicksale der Menschen aufzeigt, die putzen, Lieferanten sind oder auf dem Bau arbeiten. Anständig bezahlt wird kaum jemand, sie haben oftmals keine Chance, auf dem normalen Wohnungsmarkt eine Wohnung zu bekommen, oft sind sie in mehrfacher Hinsicht von ihren Chefs abhängig, die ihnen überteuerte Wohnheimplätze vermieten. In der Transportbranche wird bisweilen "die Grenze zum Menschenhandel überschritten", lernen wir, helfen könnten Gewerkschaften oder "ein Verbandklagerecht im Arbeitsrecht." Schniederjann hätte sich gewünscht, dass Lübbe zusätzlich auch hinterfragt, welche Rolle die EU-Osterweiterung spielt, die nicht durch tragfähigere Strukturen abgefangen wird. Insgesamt ein Buch, das aufrüttelt und hinschaut, resümiert er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2024

Ein erhellendes Buch hat Sascha Lübbe Rezensent Benedikt Peters zufolge geschrieben. Es widmet sich prekär beschäftigten Arbeitsmigranten, die in Deutschland zum Beispiel auf Baustellen arbeiten, LKWs fahren und an Fließbändern stehen. Unsichtbar sind diese Menschen, so Peters mit Lübbe, obwohl man ihnen oftmals in der Öffentlichkeit begegnet - und zwar, weil ihre Lebensumstände unbekannt sind. Um diesen Mangel zu beseitigen, folgt Lübbe ihnen, beschreibt Peters, in Unterkünfte, in denen kaum menschenwürdige Bedingungen herrschen, trifft auf Männer, die ihre Kinder kaum oder gar nicht sehen und beschreibt außerdem Praktiken etwa des Subunternehmergeschäfts, die dafür sorgen, dass bei den Betroffenen kein ordentlicher Lohn ankommt. Ein von wenigen unnötigen Abschweifungen abgesehen wichtiges Buch ist das, meint Peters, und auch eines, das zeigt, dass sich die Zustände durchaus verbessern ließen, würden sich nur mehr Menschen für das Problem interessieren.

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