Sasa Stanisic

Fallensteller

Roman
Cover: Fallensteller
Luchterhand Literaturverlag, München 2016
ISBN 9783630874715
Gebunden, 288 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Ein vom Leben nicht sehr verwöhnter alter Mann hat eine Leidenschaft für die Magie. Er bittet um Ruhe für die Große Illusion. Aber die Gemeinde trinkt Kaffee und hält nicht still. Anders der Fremde, er ist geduldig. Er will helfen, sagt er und bietet Lösungen an: manche sind keine, manche tun weh, und manche haben Gitter aus gebogenem Draht. Zwei Freunde ziehen durch Europa, sie reden und meiden das Zuhören, sie lügen und stehlen, jagen mit Karacho und Geschick ihren Sehnsüchten hinterher: einer syrischen Surrealistin, einem bedrohten Vogel und Rebekka. Um nur ein paar zu nennen. Dies sind Geschichten über Menschen, die Fallen stellen, Menschen, die sich locken lassen, Menschen die sich befreien - im Krieg und im Spiel, mit Trug und Tricks und Mut und Witz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2016

Christian Metz entdeckt in Sasa Stanisics neuem Erzählband "Fallenstaller" alles, was er an dem Autor liebt: sprachliche Brillanz, außergewöhnliches Einfühlungsvermögen und "episodisches Ausperlen" der Handlungsstränge. Und doch ist der Kritiker nicht ganz zufrieden: Den zwölf Erzählungen fehlt irgendwie das Neue, klagt Metz und kritisiert dabei nicht mal, dass es sich hier überwiegend um Reise- und Abenteuererzählungen handelt. Vielmehr vermisst der Rezensent Stanisics stilistische und stimmliche Vielfalt und das Gespür für präzise Gegenwartsbeschreibungen. "Routiniertes", aber gut gemachtes "Satzflusshandwerk", schließt der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.06.2016

Ausgangspunkt dieses Erzählbandes war eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Literaturhaus und dem Museum für Moderne Kunst, erklärt Rezensentin Judith von Sternburg. Und so ist der "Fallensteller" für die Kritikerin ein gelungenes Beispiel für die gegenseitige Befruchtung von Bildender Kunst und Literatur. Manche der Geschichten sind "leichtfertig und sentimental", andere deutlich abgedrehter und mit viel Raffinesse geschrieben, lobt die Kritikerin, der besonders die surrealen Einschläge gefallen haben. Weniger angetan ist sie vom Tonfall, der ihr mitunter zu feuilletonistisch verspielt ist, mit allzu neunmalklugen Wortspielereien. Doch sie sieht das Stanišić letztlich nach: Ein Sprachzauberer wie er dürfe sich so etwas erlauben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2016

Christopher Schmidt schätzt Sasa Stanisic als Zauberer. Nicht nur, weil ihn die Eingangsgeschichte des Bandes an Thomas Manns Künstlerparabeln erinnert. Wie der Autor scheinbar traumwandlerisch allerhand Wunderdinge aus dem Hut zaubert, Tragik hinter Burleskem versteckt und dauernd falsche Fährten legt, scheint ihm eines veritablen Tricksters würdig. Wie ein guter Alleinunterhalter beschenkt der Autor den Rezensenten mit immer neuen Überraschungen, surrealen Worterkundungen, Milieus, Landstrichen. Nach Frankreich, Jugoslawien, in die Uckermark oder an den Rhein führen ihn die Texte. Für Schmidt perfekte "Große-Jungs-Abenteuerliteratur", die durch lässige Beiläufigkeit und souveräne Sprache besticht.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.05.2016

"Fallensteller" heißt der Erzählungsband von Saša Stanišić, was Richard Kämmerlings dazu verleitet, überall doppelte Böden und Nebenkerzen zu vermuten. Ob nicht hier Daniel Kehlmann, da Ronja von Rönne und dort Clemens Setz imitiert werde? Darauf angesprochen will der Autor davon nichts wissen, bekennt sich aber zumindest zum Einfluss von Kafka und Wolf Haas und äußert seine Angst, durch Fremdeinflüsse stilistisch kontaminiert zu werden. Sei's drum, Kämmerlings gefällt der Band so oder so hervorragend, und Stanišić ist für ihn "einfach einer unserer besten Erzähler".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.05.2016

Für Katharina Granzin ist Saša Stanišić der große Magier unter den deutschsprachigen Autoren. Davon zeugen auch seine nun unter dem Titel "Fallensteller" erschienenen Erzählungen, die in unterschiedlichen Längen nicht nur mit verschiedenen illusionistischen Tricks spielen, sondern diese zugleich offenlegen, verspricht die Kritikerin. Ob der in Bosnien geborene Autor von einem mysteriösen Mann erzählt, der eines Tages in einem brandenburgischen Dorf auftaucht und den Bewohnern verspricht, ihre Probleme durch pazifistische Tierfallen zu lösen oder eine syrische Künstlerin auftreten lässt, die ihrem Publikum vom Bombentod ihrer Kinder erzählt, während diese friedlich schlafen - stets sind seine Texte von einer Sehnsucht nach dem Unbekannten geprägt, meint die Rezensentin, die Stanišić gern gelegentliche Selbstverliebtheit und Manierismen verzeiht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2016

Vergnügt lässt sich Rezensent Ijoma Mangold von Saša Stanišićs Sprachspielen einwickeln. "Der Satzbau gluckst", freut sich der Rezensent, er holpert, hüpft, fließt, die Sprache tönt und floskelt, klingt mal nach Straße, mal nach Kind oder Hochliteratur, während der Autor immer seine "fiese Menschenkenntnis" in der Hinterhand behält, lobt Mangold. Seine Figuren scheinen für Stanišić "liebenswürdige Heuchler" zu sein, so der Rezensent, ob man über sie schmunzelt oder erschrickt, bleibe jedem selbst überlassen. Doch so oder so kann man Spaß an dieser Sprache haben, findet Mangold.
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