Die Terroranschläge am 11. September 2001 erschütterten die im Westen weit verbreitete Vorstellung, Islamismus stelle allenfalls eine Bedrohung für die muslimische Welt dar. Die USA reagierten auf 9/11 mit der Ausrufung eines Krieges gegen den Terror; zahlreiche westliche Regierungen schlossen sich diesem 'Krieg' an und erließen oder verschärften Antiterrorgesetze. Hinzu kam eine hitzig geführte Debatte darüber, was Terrorismus mit dem Islam zu tun hat und wie sich der Islam zu den westlichen Werten verhält. Zwei Jahrzehnte nach 9/11 - und mehrere weitere einschneidende islamistische Anschläge später (Madrid, London, Paris, Nizza, Berlin) - versucht dieser Band eine Bestandsaufnahme. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen: ·Welche Folgen haben die ergriffenen Antiterrormaßnahmen für Islamisten - trugen sie zu einer Schwächung oder gar Stärkung des Islamismus bei? ·Gibt es blinde Flecken im Umgang des Westens mit dem Islamismus? ·Welchen gesellschaftspolitischen Einfluss haben Islamisten in westlichen Ländern? Wie wirkt sich die gegenwärtige Integrationspolitik auf sie aus?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2021
Rezensent Thomas Thiel empfiehlt Politikern, die mit dem Islamismus befasst sind, den von Sandra Kostner und Elham Manea herausgegebenen Sammelband mit Texten von Ruud Koopmans, Susanne Schröter u. a. Die These des Bandes, die eine Verbindung zwischen Islamismus und Dschihadismus feststellt, sorgt laut Thiel für Klarstellungen in der Islamismus-Debatte, etwa betreffend die Vorstellung, dass Gewalt vor allem von radikalisierten Einzelgängern ausgeht. Letzteres widerlegt Schröter mit Hinweisen auf den hohen Bildungsstand und die religiöse Motivation der Attentäter vom elften September, meint Thiel. Sichtbar wird für den Rezensenten indes auch, dass die Verbindungslinien zwischen legalistischem und terroristischem Islam so eindeutig nicht immer sind.
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