Sandor Marai, Tibor Simanyi

Lieber Tibor

Briefwechsel
Cover: Lieber Tibor
Piper Verlag, München 2002
ISBN 9783492043779
Gebunden, 336 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Tibor Simanyi. Groß war er, schlank und vornehm. "Signor Conte" nannten ihn seine Freunde in Posillipo. Der malerische Vorort von Neapel war eine der ersten Stationen des Exils, das Sandor Marai zusammen mit seiner Frau Lola und Sohn Janos um die halbe Welt führte. Hier traf er den Journalisten und Historiker Tibor Simanyi - wie er ein Ungar im Exil. Marai, bekannt für seine vorsichtige, fast unnahbare Art, befreundete sich mit Simanyi und blieb bis zu seinem Tod in engem, meist brieflichen Kontakt mit ihm. In rund 150 Briefen aus der Zeit von 1969 bis 1989 spricht Sandor Marai von den Launen des Zeitgeschehens wie des Wetters, vom Beglückenden der Literatur und der Qual des Exils.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2002

Sandor Marai, der zuletzt in San Diego lebte und sich dort 1989 das Leben nahm, war nicht nur, berichtet Hans-Peter Kunisch, "ein feinsinniger innerer Emigrant"; sondern auch "ein Widerständler mit künstlerischen Mitteln", hat der Rezensent nach der Lektüre des Briefwechsels des Schriftstellers mit dem ungarischen Redakteur Tibor Simanyi erkannt. Der Briefwechsel selbst wirft aber nicht nur ein positives Licht auf Marai, findet der Rezensent. So urteilsscharf er über seine Beobachtungen von österreichischen und ungarischen Rechtsextremen berichte, so undifferenziert falle aber auch sein Urteil über US-amerikanische Politiker aus. Mit Simanyi hatte Marai ein zwanzig Jahre währender Briefwechsel verbunden, in dem er sich allerdings nur langsam, so Kunisch, seinem Unterstützer auf der persönlichen Ebene angenähert hatte. In den meisten Briefen gehe es um Politik. "Sture Unbestechlichkeit" und "bissiger Witz", Markenzeichen Marais, kämen auch hier voll zum Tragen, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2002

Wie schon in Ernö Zeltners biografisches Bilderbuch, so bietet auch dieser Briefwechsel einen biografischen "Wegweiser" durch das "Lebenslabyrinth" Sandor Marais. In den zahllosen Briefen äußert sich Márai laut Rezensent über das "Kleinklein" des Tagesgeschäfts, über die bundesdeutsche Ostpolitik, die Kleinbürgerlichkeit Österreichs, über den versperrten Weg zurück nach Ungarn, über die Krankheit und das Sterben seiner Frau. Einen wirklichen Zugang zu Márai gewährt der Briefwechsel nach Ansicht des Rezensenten allerdings ebensowenig wie Zeltners Bilder- und Lesebuch. Stolzmann bemängelt, dass eine "übertriebene Ehrfurcht" Simányi in seinem Essay über die Korrespondenz mit Márai den Blick verstellt. Stolzmann stört sich zudem an Simányis mitunter "falschem hohen Ton" und seinem "biederen Patriotismus" - Kritikpunkte, die in gleicher Weise auf Ernö Zeltners Bilderbiografie Márais zuträfen. Trotzdem: für Márai-Verehrer hat auch Tibor Simányis Briefwechsel mit dem Meister seinen "Reiz und Wert", gesteht der Rezensent, auch wenn er jetzt schon auf eine "Auseinandersetzung" mit Márai, sprich: auf eine "profunde Biografie" wartet.
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