Samuel P. Huntington

Who Are We?

Die Krise der amerikanischen Identität
Cover: Who Are We?
Europa Verlag, Hamburg 2004
ISBN 9783203780603
Gebunden, 540 Seiten, 28,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Ursel Schäfer. Amerika steckt tief in der Sinnkrise, und dies nicht erst seit dem 11. September. Doch seit den Terroranschlägen ist die Frage nach der Stellung und der Rolle der USA in der Welt in der Tat zur Frage Nummer eins der politischen Diskussion geworden. Samuel P. Huntington setzt seine ebenso provokant-patriotische wie klug-argumentierende Untersuchung an der historischen Wurzel des Problems an und fragt: Wer sind wir? Die Beantwortung dieser Fragen ist von dramatischer Bedeutung nicht nur für Amerikas Innen- und Außenpolitik, sondern sie entscheidet auf lange Sicht, so Samuel P. Huntington, über den Untergang oder das Fortbestehen des amerikanischen Volkes.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2005

Samuel P. Huntington, der seit seinem provokanten Bestseller "The Clash of Civilizations" umstrittene Harvard-Politologe, scheint nun endgültig im Lager der radikalen amerikanischen Neokonservativen angekommen zu sein, unkt Rezensent Hartmut Lehmann. In der für die Neocons berüchtigten gut-böse Argumentation versucht er diesmal, die gute angloprotestantische Kultur gegen das böse Konzept des Multikulturalismus zu verteidigen. Dabei beruhen Huntingtons Darstellungen in nahezu allen zentralen Punkten auf geschichtsverfälschenden Vereinfachungen, kritisiert Lehmann. Den aktuellen amerikanischen Protestantismus verkauft er als gefestigte, bis auf die Gründerväter zurückgehende Bewegung, und verheimlicht dabei dessen wahre Entstehung durch "massive Evangelisationskampagnen" im 19. Jahrhundert. Auch die starke säkulare und freidenkerische Tradition des Protestantismus wird mit keinem Wort erwähnt. Das Phänomen der Multikulturalität spitzt Huntington zu einer gesellschaftlichen Bedrohung zu, die die "Loyalität zum amerikanischen Credo" unterwandert, indem er gegenläufige Phänomene wie die Assimilation der amerikanischen Freizeitkultur durch Immigranten einfach ausblendet. Huntingtons Ideal-Amerika ist damit eines sicher nicht mehr: Vorbild für das gerade heranwachsende föderale Gemeinwesen namens "Europa".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

Samuel P. Huntingtons neues Werk mochte Rezensentin Dagmar Pöpping nur mit spitzen Fingern in die Hand nehmen. Der konservative Vordenker, dem die Rezensentin bereits seit seinem ersten Buch "Kampf der Kulturen" mit herzlicher Abneigung gegenübersteht, befasst sich in seinem neuen Buch mit den angeblichen inneren Gefahren, denen die USA ausgesetzt sind. Besonders zu schaffen machen dem Land laut Huntington die mexikanischen Einwanderer, die sich nicht der weißen, angel-sächsischen, protestantischen Mehrheitskultur unterwerfen und damit die ureigenste Identität des Landes in Frage stellen. Rückwertsgewandt und propagandistisch sei das, schimpft die Rezensentin und fühlt sich an die Rede vom "Untergang des Abendlandes" erinnert, mit der rechte Konservative schon einmal eine Demokratie erfolgreich untergraben hätten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.11.2004

Eine "CSU-kompatible Kampfschrift gegen die multikulturelle Gesellschaft" erblickt Rezensent Jürgen Gottschlich in in diesem Buch. Deutlich fühlt er sich bei Huntingtons Klagen über die Latino Communities an das Lamento des CSU-Hardliners Günther Beckstein über die türkische Parallelgesellschaft in Deutschland erinnert. Zwar hält der Rezensent Huntingtons Analyse des veränderten Charakters von Einwanderung, die von einer Abschottung seitens der Migranten gekennzeichnet sei, für "durchaus korrekt". Mit Huntingtons Verurteilung der multikulturellen Gesellschaft, seinem Lob des christlichen Fundamentalismus und seiner Vision eines Amerikas der Gründerväter kann Gottschlich aber rein gar nichts anfangen. "Bedrückend" findet er etwa die Begeisterung, mit der Huntington vorführt, mit welcher Geschwindigkeit die Zahl der christlichen Fundamentalisten in den USA zunimmt. Er hält dem Autor vor, seine Gesellschaft sei statisch, isolationistisch und könne deshalb letztlich nur in Abschottung von der übrigen Welt leben. Eine Vorstellung, die angesichts der fortschreitenden Globalisierung anachronistisch anmutet, so Gottschlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.10.2004

Claus Leggewie behauptet in seiner Rezension zwar, von Samuel Huntingtons neuem Buch enttäuscht zu sein, aber man bezweifelt, ob er sich tatsächlich viel erwartet hat, so eingefleischt scheint seine Abneigung gegen diesen Vordenker des amerikanischen Konservatismus. Um es kurz machen: Huntingtons Thesen zur hispanischen Einwanderung in die USA findet Leggewie dünn, unoriginell, provinziell und "garniert mit Pauschalurteilen, die gelegentlich an Paranoia grenzen". Dabei hänge Huntington der Retro-Fiktion einer anglo-protestantischen Kultur an, nach der die USA kein Einwanderungsland sind, sondern eine britische Siedlungskolonie mit homogener Herkunftskultur. Und dieses schöne Gebilde gerate nun durch anpassungsunwillige Hispanics in Gefahr. Für Leggewie hat Huntington damit ein einziges "Manifest gegen Einwanderung" vorgelegt. Gegen den Vorwurf des Rassismus nimmt er ihn allerdings Schutz. Huntington verweise auf echte Probleme, die man nicht nur schönreden könne. Und ein gutes Haar kann Leggewie an diesem Buch dann doch noch lassen: Huntingtons Thesen seien derart altkonservativ, dass er immerhin die von seinen modernen Kollegen angestrebte Vorherrschaft der USA in einer nach amerikanischen Vorstellungen globalisierten Welt ablehnt.
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