Wir haben uns daran gewöhnt, dass immer mehr Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit kämpfen - oder mit anderen Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten, Aufmerksamkeitsdefizit oder Burnout. Der Name deutet es bereits an: "Zivilisationskrankheiten" findet man in den Industrienationen - aber so gut wie nie bei Menschen, die unter ursprünglichen Bedingungen leben. Die Evolutionsbiologin Sabine Paul beschreibt, warum diese Probleme existieren, warum sie in den letzten Jahrzehnten so dramatisch zunehmen und wie man sie erfolgreich behandeln oder verhindern kann. Voraussetzung dafür ist, die komplexe Interaktion von Genen und Umwelt zu verstehen und wieder in die richtige Balance zu bringen. Der Vergleich des Steinzeitlebens mit dem modernen Alltag ist der Weg, um den natürlichen Bedürfnissen der Menschen auf die Spur zu kommen und den mehr als zwei Millionen Jahre alten Erfolgsprogrammen wieder Geltung zu verschaffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2012
Durchwachsen scheint Leander Steinkopf dieses Buch über das "Wissen der Evolution" bezüglich der Fragen von Gesundheit und Ernährung, das Sabine Paul vorgelegt hat. Er hebt die Empfehlung der Autorin hervor, sich in diesen Fragen die Steinzeit zum Vorbild zu nehmen, um Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Arteriosklerose, Diabetes, ADHS und Burnout den Garaus zu machen. Etwas enttäuscht scheint der Rezensent dann von den bekannten Ratschlägen zur Lebensänderung: gesünder essen, mehr bewegen, usw. Durchaus interessant findet er dann aber die konkreten Hinweise zu einer gesunden Ernährung, die die Autorin gibt und auch evolutionsbiologisch erklärt. So liest sich das Buch für Steinkopf wie ein Mittelding zwischen "Ratgeber und wissenschaftlicher Fundierung". Letztlich scheint ihm der Erkenntniswert des Buchs aber doch begrenzt, empfiehlt er doch Randolph Nesses und George Williams Klassiker "Warum wir krank werden" als bessere Alternative in Sachen evolutionäre Medizin.
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