Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ. The Kid, ein einsamer junger Mann, kommt wegen einer Dummheit ins Gefängnis. Nachdem er seine kurze Haftstrafe abgebüßt hat, wird er während der Bewährungszeit rund um die Uhr elektronisch überwacht. In seiner Stadt darf er sich fortan nicht mehr frei bewegen. Er hat keine andere Wahl, als ein Dasein unter einer Autobahnbrücke am Rande der Gesellschaft zu fristen. Russell Banks beschreibt das Leben der Außenseiter und Geächteten von heute, die den Elementen und der staatlichen Überwachung gleichermaßen ausgesetzt sind. Kid bleibt nur die Flucht in die Wildnis. Doch auch hier holt ihn die Vergangenheit wieder ein. In seinem Schicksal spiegeln sich die Abgründe der amerikanischen Justiz und der modernen Informationsgesellschaft, die kein Recht auf Vergessen duldet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2015
Russell Banks' Mut, einen verurteilten Sexualstraftäter zur Hautfigur seines Romans zu machen, zahlt sich aus, meint Rezensent Thorsten Gräbe nach der Lektüre von "Verstoßen". Er lernt hier den jungen, gerade mal 22-jährigen Kid kennen, der wegen einer sexuellen Verabredung mit einer Vierzehnjährigen festgenommen wird, sich nach seiner Haft nur noch mit Fußfesseln und Abstand von Kindergärten und Schulen bewegen darf, mit Vergewaltigern, Exhibitionisten und Pädophilen in einer Brückenkolonie lebt und bald von einem mysteriösen Soziologieprofessor, der Interviews mit ihm führt, aufgesucht wird. Dieser Roman ist aber nicht nur ein herausragendes Buch über den Umgang mit Sexualstraftätern in Amerika, sondern auch ein ebenso fesselndes wie brillant inszeniertes Werk über undurchschaubare Identitäten, meint der erstaunte Kritiker, der mit einigen Fragen zurückbleibt.
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