Rückkehr nach Syrien
Eine Reise durch ein ungewisses Land

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498006976
Gebunden, 192 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
"Seit einigen Tagen bin ich wieder am Handy. Ich wache auf, ich esse, arbeite unkonzentriert, lese die Nachrichten. Ich rufe meinen Vater an. Mein Vater steht morgens auf, liest die Nachrichten, geht arbeiten, sitzt vor dem Fernseher. Assad ist weg. Das Regime ist gefallen. Das Regime, vor dem mein Vater - ein staatenloser jesidischer Kurde - 1980 aus Syrien floh. Ich kenne das Land von Besuchen bei meinen Großeltern in meiner Kindheit. Ein Land, in dem an jeder Ecke das Porträt des Diktators und seines Vaters hing, ein Land über das eine Familie herrschte wie ein Mafia-Clan. 54 Jahre lang." Wenige Wochen nach dem Sturz Assads ist Ronya Othmann mit ihrem Vater nach Syrien gereist: auf den Spuren der jüngsten Ereignisse, durch ein Land, das sich selbst fremd geworden zu sein scheint. Und überall hat sie mit Menschen, gleich welcher Zugehörigkeit gesprochen - Menschen, die zwischen Angst und Hoffnung wieder an eine Zukunft glauben wollen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.10.2025
Eindrucksvoll findet Rezensentin Stephanie von Oppen die Reportagen, die Ronya Othmann über zwei Reisen nach Syrien geschrieben hat, die sie gemeinsam mit ihrem Vater unternommen hat. Ende 2024 wurde Assad gestürzt, schon kurz darauf waren Othmann und ihr als junger, kommunistischer Jeside nach Deutschland geflohener Vater in Damaskus, Aleppo und Homs. Die Autorin schreibt über ihre Begegnungen mit der Zerstörung, mit den verfolgten Minderheiten und über das Gefängnis Saidnaya, in dem Regimegegner gefoltert wurden, erfahren wir. Ihre zweite Reise geht in den Norden Syriens, wo der Vater herkommt, sie schildert die Wiederbegegnung mit dem Dorf, in dem auch die Großmutter bis zur Flucht 2011 gelebt hat - für Oppen emotional und vielschichtig. Sie hätte sich noch ein etwas gründlicheres Lektorat gewünscht, ist aber ansonsten sehr vom Talent Othmanns überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Rezensent Jobst Welge erlebt Ronya Othmann mit "Rückkehr nach Syrien" ganz "in ihrem Element": der Reportage. Souverän bettet sie Beobachtungen und Dialoge in politische und historische Kontexte, schildert anschaulich ihre eigenen Reiseerfahrungen und Empfindungen, greift gezielt die bedeutsamen Details aus ihren Erlebnissen heraus, und geht mit beeindruckender Kenntnis und Geduld immer wieder ins Gespräch mit verschiedensten Menschen, vor allem aber mit ihrem Vater, ein Jeside, der bereits 1980 aus Syrien geflohen ist, lobt der Kritiker. Gemeinsam mit ihrem Vater bereiste sie Syrien 2024, kurz nach dem Sturz des Regimes von Baschar Al-Assad, um die Lage der Minderheiten einzuschätzen und um die Stimmung im Land einzufangen. Das ist ihr gelungen, findet Welge, wenngleich er ihrem Bericht die Hast anmerkt, mit der sie reiste, und die sie auch selbst kommentiert. Mitunter wirkt dieser sehr komprimierte, atemlose Text somit etwas "formlos und sprunghaft", Zusammenhänge können teilweise nur angedeutet werden. In seinen besten Momenten jedoch erinnert er Welge an die großen Reportagen des polnischen Reporterts Ryszard Kapuscinski - ein etwas zweischneidiges Kompliment.