Aus dem Englischen von Ebba Drolshagen. Als Gertrude Bell im Januar 1905 zu einer ihrer Reisen in den Nahen Osten aufbrach, wollte sie dort vor allem byzantinische und römische Ruinen studieren. Wie sich später herausstellen sollte, traf sie damit die Vorbereitungen für ihre spätere Mission als Beraterin der englischen Regierung, bei der es um die Neuaufteilung des Nahen Ostens ging. Mit ihrer Karawane und einigen wenigen einheimischen Bediensteten drang sie in den Wüsten und Bergen Syriens, Palästinas und des Libanon in Gebiete vor, die vor ihr noch kaum ein Europäer, geschweige denn eine Frau betreten hatte. Selbstbewusst suchte sie den Kontakt zu Scheichs und Stammesführern, unter deren Schutz es ihr gelang, zwischen den rivalisierenden Stämmen hin und her zu reisen. Sie lauschte den Geschichten von Scharfhirten, saß mit Soldaten am Lagerfeuer, in den schwarzen Zelten der Beduinen und den Besuchszimmern der Drusen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2016
Rezensent Rainer Hermann erfährt durch die Lektüre von Gertrude Bells Reisebeschreibungen, was durch den Krieg in Syrien verlorengeht: das kulturelle Erbe, Archäologie, Städtebau, ethnische Vielfalt. Wenn die englische Abenteuerin Bell 1905 durch Syrien reist und ihre Eindrücke notiert, die Schönheit der Wüste beschreibt, bei Notablen wohnt und über den zivilisatorischen Auftrag parliert, erkennt Hermann zwar ihre kolonialistisch geprägte politische Überzeugung, versichert aber zugleich, dass die Autorin keineswegs naiv sei und die Ängste von Menschen und Minderheiten durchaus erfasste.
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