Ronald Reng

Fremdgänger

Roman
Cover: Fremdgänger
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2005
ISBN 9783462036237
Broschiert, 365 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

London im Jahr 2004: Ein junger Deutscher sitzt nachts allein im Büroturm der Derling Bank und bereitet sich auf eine Dienstreise in die Ukraine vor. Er ist 33, Experte für Öl- und Erdgasfirmen, seit sieben Jahren in der Londoner City. Was Tobias Linderoth an seinem Beruf mag, sind die Schnelligkeit, die Aufregung, die Bauchentscheidungen. Er fürchtet, wenn ihm das Projekt in der Ukraine nicht gelingt, wird er entlassen werden. Kiew im Jahr 2004: Auf den Straßen demonstrieren die Menschen die Orangene Revolution herbei. Das Leben findet im Freien statt. Cafebesuche sind für die meisten zu teuer, man geht auf den Boulevards spazieren, bei Regen auch in den U-Bahnstationen. Hier trifft er Larissa. Eine begabte Klarinettistin, bleibt ihr der Zugang zum Konservatorium doch verwehrt, weil sie die nötigen Schmiergelder nicht aufbringen kann. Wie viele Ukrainer lebt sie mit Anfang zwanzig noch mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in einer Dreizimmerwohnung eines ständig überheizten Plattenbaus. Tobias sieht sehr wohl, wie anders Larissa ist. Das ist es ja, was ihn zu ihr zieht. Wie schwierig es ist, jemanden aus einer anderen Welt zu lieben, wird er erst erfahren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2005

Der "nicht geringe Vorzug" von Ronald Rengs Roman ist dessen Illusionslosigkeit, meint Thomas Meissner. Zu Beginn scheint alles noch recht klischeehaft. Der gut verdienende, aber unglückliche Investmentbanker Tobias Linderoth lernt in Kiew eine Frau kennen, die eine verhinderte Künstlerin zu sein scheint, mit ihrer Natürlichkeit das genaue Gegenteil von Linderoths Karrierewelt. Das harmonische Zusammenspiel der Kulturen bekommt schnell die ersten Risse, die Reng "durchaus detailgenau" zu beschreiben weiß. Der Protagonist offenbare nach und nach eine komplizierte Gedanken- und Gefühlswelt, schreibt Meissner anerkennend. Wie die Figur dann allerdings ein so eindimensionaler Dauerarbeiter werden konnte, wird dem Rezensenten "nicht hinreichend deutlich". Doch zufrieden ist er doch, vor allem mit dem Schluss des Romans, der trotz einer positiven Entwicklung des Helden den weiteren Verlauf offen lässt. "Dass sich das Glück nur so störrisch, widerspenstig einstellen will", dieses Eingeständnis behagt Meissner ganz offensichtlich.
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