Roman Ehrlich

Das kalte Jahr

Roman
Cover: Das kalte Jahr
DuMont Verlag, Köln 2013
ISBN 9783832197254
Gebunden, 248 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Das Land ist eingeschneit. Ein junger Mann wandert an einer Autobahn entlang. Einsame Felder, Jauchegruben, Rasthöfe und fensterlose Möbelhäuser sind die Stationen seines Weges. Das Ziel ist ein Dorf am Meer, am Rande eines ehemaligen Militärgebietes, wo sein Elternhaus steht. Müde und erschöpft muss er bei seiner Ankunft jedoch feststellen, dass die Eltern verschwunden sind. Ein geheimnisvoller Junge öffnet ihm die Tür. Schweigsam und störrisch zieht sich dieser in der darauffolgenden Zeit meist in das Kinderzimmer zurück, wo er an einem mysteriösen Projekt arbeitet. Nach und nach finden die beiden Zugang zueinander. Was sie verbindet, sind Geschichten. Historische Geschichten von Auswanderern und Naturkatastrophen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2013

Rezensent Kai Sina findet Roman Ehrlichs Debütroman "Das kalte Jahr" gleichermaßen gelungen und beunruhigend. Den vagen Handlungsverlauf schildert der Rezensent so: Der namenlose Erzähler flüchtet vor der Maschinerie der modernen Zivilisation aus seiner namenlosen Heimatstadt und macht sich auf den Weg zu seinem Elternhaus, das irgendwo im Norden am Meer liegt. Er muss durch eine unwirkliche Schneelandschaft reisen, die seine Vorstellungskraft beflügelt, und bald wissen weder er noch der Leser, was Wirklichkeit und was Illusion ist, fasst Sina zusammen. Beim Haus der Eltern angekommen, trifft er dort nur auf einen kleinen Jungen, der an so etwas wie einer Bombe zu basteln scheint, und der Erzähler fängt an, ihm unzusammenhängende Geschichten zu erzählen. Überhaupt erschließen sich dem Rezensenten wenige Zusammenhänge, die bildhaften "Erzählsplitter" mit zweifelhaftem Realitätsstatus geben keine Pointe preis, erklärt Sina.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2013

Ein wenig enttäuscht liest Judith von Sternburg Roman Ehrlichs Debütroman, der mit seiner Lesung beim Bach-Wettbewerb große Erwartungen geweckt hatte, vielleicht zu große. Der Erzähler kehrt aus der digitalen Welt zurück in die analoge Heimat seiner Eltern. Dort arbeitet er in einem Elektrofachgeschäft, nimmt für die Bewohner des Ortes Kassetten auf und liest dem rätselhaften Besatzer seines einstigen Kinderzimmers Geschichten vor. Dieser Richard interessiert sich besonders für die Eruption des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815, der Europa ein kaltes Jahr bescherte, wie auch für den Tod eines Chicagoer Arbeiterführers und bastelt selbst an etwas höchst Explosivem. Sternburg folgt dem Spannungsbogen bereitwillig, aber ohne echte Begeisterung und verrät am Ende soviel: Selten sei der Verlust handwerklicher Fähigkeiten in der digitalen Welt so originell veranschaulicht worden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2013

Wurde vor einer Weile noch lautstark nach "welthaltigen" Büchern gerufen, leidet die gegenwärtige deutsche Literaturlandschaft bereits unter einer "Planübererfüllung", findet Florian Kessler. Umso mehr freut sich der Rezensent über diesen Roman von Roman Ehrlich, denn so drastisch und klug hat sich lange niemand mehr der Lebensnähe verweigert. In "Das kalte Jahr" verlässt der Ich-Erzähler, einer Eingebung folgend, zu Fuß seinen Heimatort und schlägt sich zu seinem Elternhaus am Meer durch. Dort angekommen, heuert der Mann in einem Elektrofachmarkt an, fasst Kessler zusammen. Wichtiger als der Inhalt sind aber die eigensinnigen Beobachtungen des Erzählers, zum Beispiel über die "Mini-Rebellion gegen das Zwiebeldogma", sich in fremden Häusern den Mantel ausziehen zu müssen. Vielleicht, der Rezensent fände es schade, sich in dieser Frage zu sehr festzulegen, geht es in Ehrlichs Roman gerade um das Ausschalten aller größeren Sinnzusammenhänge, das würde zumindest die vielen "Unsinnsquellen des Textes" erklären, etwa die zusammenhangslos eingestreuten schwarz-weiß Fotografien. Die Lesefreude liegt in der Freiheit der Assoziation, erklärt Kessler.
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