Im rückhaltlosen Bekenntnis zur Kulturindustrie ist die Besonderheit der Berliner Moderne im europäischen Vergleich zu sehen. Dieses Bekenntnis wird auch von der künstlerischen Avantgarde geteilt, die nicht nur die Gestaltungsmittel der Moderne für massenkulturelle Zwecke, etwa in der Schaufensterkunst, einsetzt, sondern auch die Prinzipien der Massenkünste wie das Revueformat oder den Schlager für ihre Zwecke anwendet. Es ist diese Gleichzeitigkeit von Stadt und Mensch, die Einheit von technischem und mentalem Wandel, die in den Vorstellungen der Zeitgenossen, ob bewundert oder verpönt, den Charakter Berlins und der Berliner ausmacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2017
War früher doch nicht alles schlechter? Michael Mönninger ahnt das beim Lesen von Rolf Lindners Großstadtbetrachtung am Beispiel Berlins um 1900. Was der Kultursoziologe aus den Quellen schöpft und deutet, ist laut Mönninger so angefüllt mit historischem Wissen, Gegenstandsnähe und Liebe zum Thema, dass die nachgezeichneten Voraussetzungen und Auswirkungen der Urbanisierung dem Leser nachgerade als Glück auf Erden erscheinen. Kleidungs- und Verhaltenscodes, Orientierungswissen, Telefone, Licht, Werbung, all das verschmilzt hier für den Rezensenten zu einem prallen Erlebnisraum Großstadt, den Mönninger sich angesichts von kleinlichem Touristenbashing heute nur allzu gerne zurückwünscht.
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