In der Epoche aufkeimender Nationalbewegungen besaß Heine ein feines Sensorium für den gar nicht so feinen Unterschied zwischen republikanischem und altdeutschem Nationalismus. Er richtete als Erster ein waches Auge auf die dunklen Energien eines drohenden Populismus und pflegte eine ganz eigene Unterscheidung von "Kultur" und "Zivilisation" jenseits der üblichen Völkerklischees. Er kultivierte einen elegant-ironischen Umgang mit deutschem Ressentiment und Tiefsinn - und beleidigte in all dem die deutsche Leitkultur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2014
Nicht die exzellente Heine-Biografie, die er sich gewünscht hätte, liest Hermann Kurzke mit Rolf Hosfelds Buch, aber als Steinbruch kostbarer Heine-Zitate und als nie langweiligen Überblick über alles, was im Zusammenhang mit Heine so diskutiert wird, kann er den Band dennoch empfehlen. Schade nur, dass der Autor so wenig Strukturbildendes beiträgt, meint Kurzke. Heine bliebt ihm so fern, seelenlos. Dabei hätten Themen wie die ökonomische Situation, das Judentum oder Heines Krankheit laut Rezensent gut dazu getaugt, um das Werk zu verstehen. Die angekündigte Gelehrtensoziologie aber findet Kurzke leider ebenso wenig in dem Buch wie irgend Neues zu Heine.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.10.2014
Viel fällt Otto A. Böhmer nicht ein zu Rolf Hosfelds neuer Heine-Biografie. Wieso auch, scheint der Rezensent sich zu sagen, es gibt doch schon so viele davon und gute dazu. Immerhin wird der Leser bei Hosfeld auf gut 500 Seiten "ordentlich" bedient, wie Böhmer berichtet. Allerdings habe der Autor das Große und Ganze im Blick und tue sich mit den kleinen Momentaufnahmen eher schwer, meint er. Gerade auf die kommt es laut Böhmer unter Umständen aber an. Unerschrocken findet er den Autor aber in jedem Fall, und, wie der Rezensent beteuert, das Buch kann man lesen, muss man aber nicht.
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