Aus dem Französischen von Horst Brühmann. In dieser ersten Vorlesungsreihe, die Roland Barthes nach seiner Berufung an das renommierte College de France hielt, geht es dem großen französischen Essayisten um eine Form eingeschränkten Zusammenlebens in Gruppen, das die Freiheit des Individuums dennoch nicht ausschließen soll. Modelle solcher Gemeinschaften, die oft durch eine räumliche Beschränkung charakterisiert sind, findet Barthes im religiösen Schrifttum, besonders aber in Werken der Literatur. In seinen Analysen, etwa der Konstellationen "Grand Hotel/Zauberberg (Thomas Mann)", "Höhle/Robinson Crusoe (Daniel Defoe)" oder "Zimmer/Die Eingeschlossene von Poitiers (Andre Gide)", entsteht die Vision eines Zusammenlebens, bei dem im Idealfall jeder gemäß seinem "Idiorhythmus" lebt und sich dennoch alle zu einer harmonischen Gruppe ergänzen.
Suhrkamp-Krise? Von wegen, meint Cord Riechelmann, dem Roland Barthes erstmals auf Deutsch erschienene Vorlesung inmitten gegenwärtiger Ehe-Diskurse wie eine Wohltat vorkommt, eine "richtige Entscheidung", verlagstechnisch. Und trostspendend, insofern als Riechelmann nun weiß, dass sich Zusammen- und Für-sich-Leben ganz undialektisch denken lassen. Höchst angenehm findet Riechelmann, wie Barthes den dies bezeichnenden Begriff der "Idiorhythmie" entwickelt von Formen der Gemeinschaft in der Ostkirche bis zum Zusammenleben in Grandhotel und Mietshaus, die Macht- und Distanzverhältnisse immer im Blick und ohne Anspruch auf eine allgemeingültige Antwort.
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