Aus dem Französischen und mit einer Nachbemerkung von Rainer G. Schmidt. In diesen zum ersten Mal auf deutsch vorliegenden Essays umkreist Roger Caillois eines wichtigsten Themen, die so ephemere Anwesenheit der Spezies Mensch auf der Erde, von verschiedenen Seiten: sei es die ungeheuer abweisende Landschaft Patagoniens, seien es die Ebenen und Einöden des äußersten Südens Argentiniens, die wuchernden Dschungel Amazoniens oder die Steppen Sibiriens, aber auch surrealistische Objekte wie eine eigenartig bemalte Schneiderpuppe oder Albrecht Dürers rätselhafter Stich "Melencolia" bzw. die Beschäftigung des Malers mit Mineralien. Und hinter all dem entdeckt er in der äußersten Reglosigkeit der "toten Gesteine" die Wunder und Dynamiken eines anderen Lebens, Explosionen und Turbulenzen, die den Wundern der menschlichen Kunst vielleicht sogar überlegen sind - nicht nur an Dauer, sondern auch an Schönheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2016
Irene Albers liest Roger Caillois am liebsten als Anreger im Dienste nicht-anthropozentrischer Ästhetiken, weniger als Prosapoeten. Dazu kommen ihr einige der hier versammelten Essays des Autors über Themen wie Dürers "Melencolia I", Amerika oder Sibirien allzu pathetisch daher. Als spekulativer, leicht melancholischer Naturphilosoph jedoch, der mit dem Blick des transhumanen Beobachters universellen Formgesetzen in der belebten und unbelebten Natur nachspürt, scheint der Autor der Rezensentin die ein oder andere Tür zu öffnen.
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