Roberto Calasso

Die Literatur und die Götter

Cover: Die Literatur und die Götter
Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446202634
Gebunden, 184 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Reimar Klein. Calasso enthüllt das göttliche Raunen, das sich hinter der besten Poesie, der schönsten Prosa, verbirgt und weiht uns ein in das Geheimnis aller großen Literatur. Er führt in das Reich von Dionysos und Orpheus, von Baudelaire, Novalis, Mallarme und Hölderlin und zeigt, dass sich die Geschichte der Götter auch lesen lässt als eine verschlüsselte, großartige Geschichte der Literatur.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.11.2003

Dieter Borchmeyer hat den Essay von Roberto Calasso durchaus mit Genuss gelesen, obwohl Calassos "Plädoyer" für die Rückkehr der Götter in einer von ihm propagierten "absoluten Literatur" für die hiesige Leser nicht unbedingt neu sei. Aber ihm gefällt die "Unbekümmertheit", mit der der italienische Autor selbst die Argumentationen Heideggers aufgreift, ohne "ängstlich nach rechts und links" zu schauen und ohne auf eine durch die Geschichte hinlänglich als fatal entlarvte "Volks-Bewegung" zu rekurrieren. Calasso interessiert sich weder besonders für mythische Spuren in der modernen "Erfahrungswelt" noch kann er dem psychoanalytischen Umgang mit den Göttern etwas abgewinnen, berichtet Borchmeyer. Stattdessen beziehe er sich auf Novalis und die deutschen Romantiker, die den Mythos in der Literatur überdauern sahen. Die "satz- und wortverliebte Rhetorik" des Autors gefällt wahrscheinlich nicht jedem, räumt der Rezensent ein. Auch die verschiedenen Abschweifungen Calassos mögen "irritieren", doch bei diesen "Seitenblicken" gibt es manches zu entdecken, so Borchmeyer angetan.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2003

Das plötzliche Erscheinen der Götter soll um die vorletzte Jahrhundertwende ein häufiges Phänomen gewesen sein, schreibt Steffen Richter liebevoll spöttelnd über Hölderlin, den auf einem Fußmarsch der "Apollo geschlagen" hatte. Geradezu "gerufen" habe man die Götter, stellt Richter über die Dichter der deutschen Frühromantik fest, die gegen die Entzauberung der Welt anschrieben und den "Urgrund des Poetischen" suchten. Die deutschen Frühromantiker bilden nur eine Station bei Calassos Suche nach der "Literatur und den Göttern", die von der italienischen Frührenaissance bis zu Mallarme und in den fernen Orient führt. Richter ist schier begeistert von Calassos Buch, das er als "phänomenal" bezeichnet. Am beeindruckendsten ist für ihn Calassos philologische Deutung altindischer Dichtung, bei der die Strenge der Form eine quasi göttliche und unsterbliche Textur gewährt wie gewährleistet. Diese Art "absoluter" und selbstbezüglicher Literatur endet mit Mallarme, was nicht heißt, meint Richter, dass die Götter verschwunden wären. Sondern "aus gutem Grund exiliert ins Geschriebene".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2003

Roland Wiegenstein widmet diesem 2001 im Original erschienenen Band des Essayisten Roberto Calasso eine ausführliche Rezension. Calasso vertrete die These, die Götter haben sich aus der Welt zurückgezogen, dort allerdings, wo sie in der Literatur noch zu finden seien, handele es sich um das, was er als "absolute Literatur" bezeichnet. Dies sei eine Literatur, die sich aus den Fängen des Sozialen, das das Religiöse in großen Teilen absorbiert habe, befreie. In seiner Abwehrhaltung gegenüber der heutigen monotheistischen und gleichzeitig technikgläubigen Welt lege der Autor eine Art "verzweifelt-fröhlicher Donquichotterie" an den Tag, so der Rezensent. Diese allerdings sei fundiert durch "tiefsinnige Interpretationen" und durch eine Sprache "voller metrischer Allusionen", der auch Reimar Klein in seiner Übersetzung gerecht werde, wo dies möglich sei. Der einzige Kritikpunkt, den Wiegenstein anmerkt, ist die Tatsache, dass mancher interessanter Gedanke ausführlicher hätte erläutert werden können, was die ansonsten überaus positive Bewertung allerdings nicht zu schmälern vermag.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

Einen "hinreißenden Essay" hat Roberto Calasso mit seinem Buch über die Ursprünge der absoluten Literatur nach Ansicht von Rezensent Ulrich Raulff vorgelegt. Wie Raulff ausführt, findet Calasso die ersten programmatischen Formulierungen einer absoluten Literatur - einer Literatur also, die autonom wird und sich vom Bezug zur außersprachlichen Wirklichkeit löst - in der deutschen Romantik, bei Schlegel und Novalis. Ihre eigentliche Entstehung mache er dann zwischen Baudelaire und Mallarme ausfindig. Allerdings geht Calasso zum Bedauern Raulffs nicht näher darauf ein, wie aus der "frommen Saat" der deutschen Romantik die "Blumen des Bösen" hervorgingen. Dafür schwärmt Raulff um so mehr von Calassos Sprache, die sich durch "aphoristische Brillanz" und "dunkle Schönheit" auszeichnet.
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