Luis Sepulveda

Wie man das Meer sehen kann

Erzählungen
Cover: Wie man das Meer sehen kann
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446202238
Gebunden, 265 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Sepulvedas Geschichten spielen in der ganzen Welt, in Mexiko, Madrid, Santiago de Chile und Hamburg. Sie erzählen von Abenteuern, Fernweh und von schönen Frauen. Aber das große Thema sind die verpassten Gelegenheiten, die ungenutzten Chancen und die überraschenden Momente, die plötzlich einen Blick auf andere Welten öffnen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2003

Uwe Stolzmann ist überhaupt nicht überzeugt von diesen Erzählungen des Chilenen Luis Sepulveda, der nach seiner Flucht aus dem Chile Pinochets niemals richtig zurückgekehrt ist. Nach mehr als zehn Jahren in Hamburg lebt er heute in Spanien. Als Grundmotiv finden sich das Reisen und die Heimatlosigkeit auch in diesen Erzählungen wieder, wie Stolzmann festhält. Sepulveda dokumentiere in ihnen verfehlte Begegnungen, verpasste Gelegenheiten, nicht genutzte Pfade und enttäuschte Erwartungen. Gelungen findet Stolzmann an diesen Geschichten die Momentaufnahmen aus dem Süden Chiles als dem Sehnsuchtsland des Dichters. Doch oft gerät ihm das Selbstporträt des Autors als "Hüter der Erinnerung" zu "selbstverliebt". Stolzmanns Fazit fällt dann auch recht spitz aus: "Insgesamt beweist er im Stil der Geschichten jedoch die gleiche seltsame Unentschlossenheit wie in seinem gesamten Werk. Mal Kunst, mal Kitsch, mal blanke Kolportage."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

David Wagner hat nachgezählt und kommt zu dem Ergebnis, dass in dem Band mit 27 zum Teil sehr kurzen Erzählungen mehr Lokomotiven als Frauen vorkommen. Überhaupt spielten die meisten Erzählungen in Zügen oder Bahnhöfen, eine wirkliche Begegnung zwischen Männern und Frauen findet vielleicht deshalb kaum statt, so der Rezensent. Dafür gibt es reichlich "verfehlte Begegnungen" (wie übrigens auch der spanische Originaltitel lautet). Am besten gefallen Wagner offenbar die Geschichten, in denen sich Sepulveda als "Archäologe der Eisenbahn" offenbart. Dabei fabriziere der chilenische Autor keine "vorpatinierte Eisenbahnprosa", nichts glänze, vielmehr seien die Züge "tatsächlich verrostet". Aber dann gibt es in den Erzählungen auch wieder Anachronismen, mit denen Wagner nichts anfangen kann. Klingelnde Telegrammboten etwa und vor allem die Frauen - Wagner spricht von einer "krankenschwesternden Künstlerbetreuerin" oder einer "stummen, leicht verführbaren Änderungsschneiderin". Obwohl Wagner einige schöne Erzählungen gefunden hat, gewinnt man alles in allem aus seiner Rezension nicht den Eindruck, dass er diesen Erzählband ein zweites Mal lesen wird.
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