Die 150 aus vorchristlicher Zeit stammenden hebräischen Psalmen Gedichte, Gebete, Jubelgesänge und Verzweiflungsschreie gehören zum universalen Kulturgut der Menschheit. Sie sind präsent im Zitatenschatz unserer Dichter und Schriftsteller, in Redewendungen und Redensarten, in Sentenzen und Sprichwörtern. Vertont wurden sie von fast allen großen Komponisten vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die vorliegenden Meditationen dienten dem Autor der Selbstverständigung eines Philosophen und Christen im meditativen Umgang mit dem Psalter. Sie erheben keinen wissenschaftlichen Anspruch und argumentieren nicht. Sie gehen von der Erfahrung aus, dass das Ergebnis der Selbstverständigung im Umgang mit diesen alten Texten auch anderen hilfreich sein kann, die sich auf ähnlichen Wegen befinden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2016
Niklaus Peter lobt Robert Spaemanns Psalmenauslegung für ihre genaue Interpretation und ihren weiten Horizont. Geistesgeschichtliche Bezüge von Platon bis Pascal eröffnen dem Rezensenten weitreichende Perspektiven, etwa, wenn es um die Erfahrung des Bösen geht. Die vom Philosopen Spaemann vorgenommene Engführung der Psalmenlektüre, nämlich von seinem katholischen Glauben her, gefällt Peter weniger gut. Eine historisch-kontextuell und semantisch sensible Auslegung, die etwa auch die jüdische Auslegungstradition berücksichtigt, hätte er für adequater gehalten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2014
Im Ganzen scheint Niklaus Peter Robert Spaemanns Studien zu den Psalmen 1 bis 51 in der deutschen Vulgata-Übertragung eine Menge abgewinnen zu können. Dass der Autor eben keine spezifisch alttestamentarisch wissenschaftliche Arbeit vorlegt, sondern eher Meditationen mittelalterlichen Stils, die allerdings die Erkenntnisse der modernen Bibelforschung zu integrieren wissen, hat laut Peter den Vorzug, dass der Autor damit der Lebendigkeit der biblischen Texte gerecht wird und ihnen dennoch mit der Strukturierungskraft und dem philosophiegeschichtlichen Background des Philosophen begegnet. Das führt für den zu überraschenden intertextuellen Verbindungen und weiten Perspektiven. Allerdings auch zu einer Straffheit, die den Rezensenten sich nach der Wärme und der Freude eines Martin Luther sehnen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014
Nein, überzeugt scheint Rezensent Christoph Markschies nicht von diesem Buch, seinem Autor und dessen Bemühen, so Markschies, allzu harmonisch Gegenwart und Tradition, Glaube und Vernunft einander anzunähern. Wo bleiben die großen Störungen in der Geschichte des Christentums?, fragt er. Und wenn Robert Spaemann bei seiner Psalmen-Lektüre auf Grundlage der Allioli-Bibel versucht, sich der Bilderwelt des Psalters philosophisch zu nähern, hört der Rezensent doch immer den Theologen und Christenmenschen heraus. Eine Vermischung, die Markschies nicht passt. Ebenso missfällt ihm Spaemanns apodiktische Gottlosenschelte. Als Amöbe möchte schließlich kein Ungläubiger bezeichnet werden, denkt er sich, und schwache Charaktere gibt es auch unter Christen.
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