Wie wird der weibliche Körper in der Literatur der Bürgerzeit präsentiert? Stellen Schriftstellerinnen den weiblichen Körper anders dar als ihre männlichen Kollegen? Diese Fragen nimmt das Buch an Erzähltexten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern vergleichend in den Blick. Romane von einschlägigen Autoren dieser Zeit wie Goethe, Tieck, Novalis, Brentano und Keller werden dabei mit Texten von Autorinnen wie Sophie la Roche, Friederike Helene Unger, Dorothea Schlegel, Therese Huber, Caroline Auguste Fischer oder Ida Hahn konfrontiert. Aus dieser vergleichenden Perspektive werden die verschiedenen Aspekte und dargestellten Themen des weiblichen Körpers (der Körper der Jungfrau, der Körper der Mutter, kranke Heldinnen, Körper und Scham sowie die weibliche Schönheit) aufgeschlüsselt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2002
Neue Klischees treten an die Stelle der alten, fasst Wolfgang Schneider seinen Eindruck von Rita Morriens gender-orientierter Studie über Weiblichkeitskonstrukte in der Literatur des 19. Jahrhunderts zusammen. Nicht nur der Olymp der anerkannten männlichen Autorenschar werde vermessen, bemerkt Schneider süffisant, sondern auch das "Mittelgebirge des weiblichen Unterhaltungsromans" vermessen. Auf dem Olymp thronen demzufolge Goethe, Keller, Stifter, das Mittelgebirge bevölkern Johanna Schopenhauer, Helene Unger oder Caroline Auguste Fischer. Bis auf Gottfried Keller kämen die Autoren allesamt schlecht weg, berichtet Schneider und meint, egal, wie sie es drehten und wendeten, eine Frau als schön oder hässlich beschrieben, immer entspräche es laut Morrien einem negativen Stereotyp. Nur den Autorinnen könne die Autorin geringfügig "subversives Potential" abgewinnen. Schneider findet es ausgesprochen bedauerlich, dass die belesene und intelligente Autorin ihre Analysen durch " ideologische Penetranz" konterkariert.
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