Aus dem Amerikanischen von Udo Rennert. Gekochtes Essen machte aus Affen Menschen, das ist die aufsehenerregende Erkenntnis des Harvard-Forschers Richard Wrangham. Nachdem die Vormenschen begonnen hatten, gegarte Nahrung zu sich zu nehmen, setzte ein Entwicklungssprung ein, denn aus erhitztem Essen lässt sich mehr und leichter Energie gewinnen, man muss weniger Nahrung suchen, kann schneller verdauen und gewinnt wertvolle Zeit. Tatsächlich wandelte sich vor rund zwei Millionen Jahren die körperliche Gestalt unserer Vorfahren, Verdauungstrakt und Gebiss schrumpften allmählich, und das Gehirn begann zu wachsen. Die Spezies Mensch, so Wrangham, ist seither auf gekochte Nahrung angewiesen und würde sich mit Rohkost schwertun zu überleben. Aber der evolutionäre Vorteil beschränkt sich nicht allein auf die Physiologie; Wrangham zeigt in seinem faszinierenden Buch außerdem, dass die Fähigkeit zu kochen das Zusammenleben ebenso beförderte wie die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010
Eine sympathische These, die der Anthropologe Richard Wrangham mit seinem Buch an den Mann und die Frau bringt. Das suggeriert jedenfalls die Besprechung von Jakob Strobel y Serra. Wrangham ist überzeugt, dass der Mensch sein großes Gehirn und damit seine Vormachtstellung auf dem Planeten der Kunst des Kochens zu verdanken hat. Dass der Autor für seine kulinarische Evolutionstheorie keine archäologischen Sensationen benötigt, sondern lediglich eine radikal aufs Kochen zentrierte Perspektive, lässt den Rezensenten staunen. Wranghams Schlüsse nämlich, versichert er uns, sind so verblüffend wie plausibel. Einer geht in etwa so: Gegartes = mehr Energie = mehr Hirnschmalz. Einleuchtend, oder?
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