Über den wohl einflussreichsten chinesischen Maler und Kalligrafen, Bada Shanren, ist nur wenig überliefert. 1626 als Prinz der kaiserlichen Familie geboren, erlebte er bald den Untergang der uralten Ming-Dynastie. Von da an studierte Bada die Stille, die Natur und die Tusche, und begann zu malen. Richard Weihe zeichnet das Porträt dieses Mannes und bringt seine Bilder zum Sprechen.
Eine reine Freude ist dieses Buch für den Rezensenten Matthias Echterhagen. Nicht nur, dass es spannend und zugleich sehr poetisch ist, lässt den Rezensenten frohlocken, sondern dass es überhaupt die erste in Prosa geschriebene Skizze einer ausgesprochen schillernden Persönlichkeit ist: des Malers und Kalligrafen Bada Shanren aus dem China des siebzehnten Jahrhunderts. Wie Echterhagen darstellt, beschreibt der Autor an zehn chronologisch angeordneten Bildern, wie Shanren seine Bilder malte, wie er "besonders kühn den Pinsel ansetzte" und allmählich, aber leuchtend aus dem Schatten seiner Vorgänger heraustrat. Besonders erfreulich findet der Rezensent dabei, dass der Autor den Leser eher über die Schulter des Malers schauen lässt, anstatt ihm die eigene Deutung aufzuzwingen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2003
Sibylle Birrer ist von diesem literarischen Debüt gleichermaßen überrascht und beeindruckt. Die Erzählung, informiert die Rezensentin, bietet eine Nachdichtung des Lebens und Schaffens eines historisch verbürgten Malers, der im 17. Jahrhundert durch seine Tuschezeichnungen sehr berühmt war. Birrer lobt die "geschickte und disziplinierte Hand" mit der der Schweizer Autor Richard Weihe dem Maler nachspürt, und sie ist von Weihes Fähigkeit, die "Spannung zwischen Abstraktion und Bildlichkeit" nachzuempfinden, die in den Zeichnungen des Malers vorherrscht, begeistert. Die Bildbeschreibungen, die den zehn im Text abgedruckten Tuschezeichnungen zur Seite gestellt sind, können sich ihrer Meinung trotz einer gewissen "Redundanz" durchaus als Zeichen einer "faszinierten und staunenden" Annäherung "behaupten". Birrer erscheint die Erzählung als "wundersam anachronistisch", nicht zuletzt wegen der großen Zurückhaltung des Erzählers, der kaum je vor den Gegenstand seines Textes tritt. Besonders beeindruckt ist sie, dass der Autor, der keineswegs Sinologe ist, wie Birrer betont, sich so tief in die fremde chinesische Welt hineingedacht hat und "nebenher" auch noch Einblicke in 200 Jahre chinesische Geschichte bietet.
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