Graham Lord

Leider sehen wir uns gezwungen, Ihnen mitzuteilen ... Sie sind gefeuert

Roman
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783861505006
Gebunden, 414 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Miriam Carbe. Peter Hallam ist ein glücklicher Mann. Er betet seine Frau und seine Tochter an. Er genießt sein behagliches Eigenheim mit Hund und Garten. Er spielt mit seinen Freunden Tennis und Poker. Er ist bei allen beliebt und geachtet. Und er ist erfolgreich in seinem Job als Verkaufsleiter. Gerade hat er seinen 45. Geburtstag gefeiert. Als der junge und unglaublich flegelhafte Management-Wunderknabe Jason Skudder überraschend neuer Geschäftsführer wird, beginnt Peters Leidensweg. Keine Schikane, kein noch so gemeiner Trick ist tabu, um Peter zur Verzweiflung und vor allem zur eigenen Kündigung zu bringen. Und dann verliert Peter Frau, Familie, Haus, Freunde. Er schlägt sich mit dem Arbeitsamt herum, wird ausgenutzt und gedemütigt. Und schafft es doch. In seiner Rache zeigt er geradezu göttliche Genialität.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.11.2002

Es geht hier um den "Existenzkampf eines Büromenschen", schreibt Matthias Echterhagen, der in Thatchers England beruflich sozialisiert ist und der im kalten Wind der Verhältnisse, die in Gestalt eines neuen Geschäftsführers, einem "Paranoiker von niederer sozialer Herkunft", über ihn kommen, nicht besteht. Echterhagen findet nun all die "Charaktere", die in diesem Zusammenhang auftauchen, "stark überzeichnet", es sind "Typen", und das gefällt dem Rezensenten nicht so sehr. Den weiteren Verlauf und das Ende, in dem der soziale Abstieg des Protagonisten schließlich in einen erfolgreichen "Rachefeldzug" gegen den Widersacher in der Firma und ein paar "skrupellose Banker" mündet, empfindet Echterhagen dann auch als wenig überzeugend. Was als "Satire begonnen hat endet als allzu moralisches Lehrstück", urteilt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2002

Dieser Roman über das Leiden leitender Angestellter hat Rezensent Thomas Steinfeld völlig überzeugt. Die Geschichte um den Verkaufsleiter Peter Hallam, der, als er einen neuen Geschäftsführer vorgesetzt bekommt, neben seiner Stelle auch sein Haus und seine Frau, verliert, findet Steinfeld "schlicht, ergreifend und ein wenig plakativ." Aber keineswegs schlecht! Lord wolle den Kapitalismus an einer der Stellen packen, an der er nicht nur brutal, sondern auch besonders perfide ist: an der Konkurrenz der Lohnabhängigen. Steinfeld sieht die einfache Geschichte als ein Vehikel, schließlich muss sie eine große Zahl von genauen Beobachtungen tragen wie Erkundungen zum konkurrenzfördernden Umgang mit Dienstwagen, zur Bedeutung von Kreditregeln bei zunehmender Verflechtung von Bankwesen und Industrie oder zur verborgenen Vergrößerung der Courtage im Immobilienhandel. Steinfeld hebt lobend hervor, dass der Autor auf die qualvollen Momente, die mit dem Niedergang einer beruflichen Existenz verbunden sind, mit großer Genauigkeit eingeht, ohne den Leser zu ermüden. Unprätentiös, geradlinig, manchmal übertreibend ist dieser Roman "aber doch so genau, dass der Leser hinter jeder Figur die reale gesellschaftliche Funktion zu erkennen vermag", schließt Steinfeld.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2002

Gerd Haffmans musste im vergangenen Jahr Konkurs anmelden, erinnert sich Jörg Magenau und begrüßt die wundersame Wiederbelebung der Haffmans-Bände, die mit gleichem Outfit nun unter der Obhut des Verlags Zweitausendundeins vertrieben werden. Ein idealer Deal, befindet Magenau; Haffman beschafft die Autoren und betreut deren Texte, der Verlag übernimmt den Rest: Druck, Vertrieb, Honorare. Nun einige Stammautoren Haffmans - Gernhardt, Goldt, Rowohlt - in andere Verlagshäuser gewechselt, so dass sich der Verleger nach Neuem und Neuen Umschau halten musste. Er setzt dabei auf das altbewährte und doch nicht risikolose Konzept, berichtet Magenau, eine Mischung aus unbekannten einheimischen Autoren und Erfolgsautoren aus dem englischsprachigen Raum in sein Programm aufzunehmen. Graham Lord gehört zweifelsfrei in letztere Kategorie; sein Roman, den man auch als soziales Märchen oder soziale Groteske bezeichnen könnte, stellt für Magenau eine gelungene Fortführung des alten Haffman-Konzepts dar: reichlich Humor, anspruchsvolle Unterhaltung. Ein satirischer Ausflug in die Arbeitswelt, die für alternde Büroangestellte einen gnadenlosen sozialen Absturz bereithalten kann - gäbe es da nicht eine rachekompetente Schwiegermutter.
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