Richard Sennett

Der darstellende Mensch

Kunst, Leben, Politik
Cover: Der darstellende Mensch
Hanser Berlin, Berlin 2024
ISBN 9783446281431
Gebunden, 288 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. In immer mehr Ländern beherrschen Demagogen die politischen Bühnen. Was sie alle eint, ist die Fähigkeit, ihre Anhänger mitzureißen, sie sind begnadete Darsteller. Ausgehend von dieser beunruhigenden Tatsache untersucht Sennett die ambivalenten Beziehungen zwischen Darstellung in der Politik, in der Kunst und im täglichen Leben und macht uns bewusst: Wenn alle dieselbe nonverbale Welt der körperlichen Gesten und Inszenierung teilen, können auch die Rollen und Rituale des alltäglichen Handelns bösartig oder erhebend, repressiv oder befreiend sein. In weitgespanntem Bogen führt Sennett durch Spielarten des darstellenden Menschen vom Redner im antiken Athen bis zum Straßenmusiker in Harlem. Dabei entsteht eine Partitur der Performance, die erkennen lässt, worauf es ankommen könnte in diesem Spiel: die Bewahrung der Freiheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2025

Rezensent Ueli Bernays liest Richard Sennetts Essay über die Politik als szenische Darstellung auch als Abrechnung mit Trump, auch wenn der Text vor der Inauguration entstanden ist. Deutlich bezieht sich der Autor bei seinen Ausführungen über Populisten in der Geschichte laut Bernays auf das vulgäre Auftreten Trumps. Aber auch Bezüge zu Machiavelli und den Griechen Kleon stellt der Autor für den Leser gewinnbringend her, meint der Rezensent. Die enge Verwandtschaft zwischen Theater und politischer Selbstdarstellung wird so offenbar, der Fokus Sennetts liegt dabei auf der Selbstinszenierung auf der antiken Agora, dem zentralen Fest- und Versammlungsplatz. Ein wenig mehr Fokus auf die Gegenwart hätte sich der Rezensent allerdings schon gewünscht - dass Social Media kaum vorkommt, findet er bedauerlich, schließlich handelt es sich hier um eine Art digitaler Agora.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.01.2025

Eigentlich ist Richard Sennett für den Kritiker Jens Kastner einer der profiliertesten Soziologen der Gegenwart, aber das neue Buch weiß ihn nur in Ansätzen zu überzeugen: Es geht darum, wie die Kunst des Performativen im Politischen immer größeren Raum einnimmt, zum Beispiel bei Trump, der sich beständig selbst inszeniert, um sein Publikum zu manipulieren. Er steht damit unter anderem in der Tradition von Machiavelli und Ludwig XIV., erfahren wir. Die Frage, was das politische Schauspiel mit Geschlecht und sozialen Bewegungen zu tun hat, bleibt für Kastner leider unbeantwortet, der Verfasser legt mehr Wert darauf, deutlich zu machen, dass es eine moralische Kunst des Schauspiels und der Performanz braucht, um "zivilisierten Anstand" zu wahren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024

Rezensent Wolfgang Matz ist hin- und hergerissen zwischen Richard Sennetts anregender Fabulier- und Assoziationsgabe, die den Autor in diesem Buch von New Yorker Straßenkunst zu Shakespeares Globe und weiter zu Leni Riefenstahl springen lässt, und einer gewissen Überforderung, wenn der Autor allzu wenig schlüssige Argumentation anbietet und sich in Apodiktik und Exkursen gefällt. Irgendwo zwischen Soziologie und Anekdote findet Matz die Mitte des Ganzen und stellt fest, dass das Tempo hoch ist und die Themen sehr vielfältig sind, während manches im Buch doch sehr strittig bleibt. Über den darstellenden Mensch als Alltagsphänomen aber liest er dennoch mit Gewinn.

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