Um neben das reflektierende Wort das Bild stellen zu können, hat Reiner Kunze vier Jahre fotografiert und vom Teichrand aus, also nicht mit einer Unterwasserkamera, Porträts von seinen Farbkarpfen (japan. "Koi") geschaffen, die den einzelnen Fisch in seiner Individualität und Würde zeigen - eine fotografische Leistung, die bisher ebenso einmalig sein dürfte wie die Tatsache, daß ein Dichter Koi zum Anlaß nimmt, um über unsere Kreatürlichkeit nachzudenken. Der Autor spricht von ihnen als von seinen "Verbündeten". Jene, deren Seele nicht in einem "Panzerhemd" steckt, werden diesen Buch als Verbündeten empfinden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.01.2003
Kristina Maidt-Zinke entdeckt eine große Begeisterung für Fische bei Reiner Kunze, den einst aus der DDR ausgebürgerten Schriftsteller, um den es in letzter Zeit eher still geworden ist. Nun hat Kunze mit viel Hingabe seine exotischen Fische - japanische Zierkarpfen - in ihrem Teich fotografiert und dazu noch fast erotische Liebeserklärungen und "lyrisch-philosophische Höhenflüge" verfasst. Die Rezensentin kommentiert Kunzes Leidenschaft für die "schwimmende Sinnstifter" mit leiser Ironie und schließt ihre kurze Rezension mit den Worten: "Und wenn er nicht in den Teich gefallen ist, dann sitzt er noch heute davor."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2002
Freunde der Koi, japanischer Farbkarpfen, dürften bei Reiner Kunzes Band "Der Kuss der Koi" auf ihre Kosten kommen, Lesern der politischen Lyrik Kunzes wird indessen der Mund offenstehen bleiben, prognostiziert Rezensent Thomas Poiss. "Kitsch!", war sein erster Gedanke, als er das Buch zur Hand nahm, um sich dann, ganz unversehens, auf einmal doch für die Farbkarpfen Kunzes zu interessieren. Durchaus faszinierend findet Poiss die Koi, deren buntes Schuppenkleid sowie ihr unterschiedliches Sozialverhalten, nicht nur bei der Fütterung. Zum Bedauern des Rezensenten fehlt Kunzes Buch allerdings die "objektivierende Form"; und so changiere es unentschieden zwischen Sachbuch und meditativer Lebenshilfe: "Nüchterne Beschreibung der Koi und die durch sie verkörperte Utopie gewaltfreier Solidarität und zweckfreier Schönheit", kritisiert Poiss, "stehen unvermittelt nebeneinander."
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