Heinrich Detering

'Juden, Frauen und Litteraten'

Zu einer Denkfigur beim jungen Thomas Mann
Cover: 'Juden, Frauen und Litteraten'
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100142030
Broschiert, 208 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Heinrich Detering untersucht die Rolle des Literaten im Frühwerk Thomas Manns. Literaten - Künstlerfiguren überhaupt - versteht Thomas Mann als Außenseiter, die ihre Position und Legitimation in der Gesellschaft immer wieder in Frage stellen. In seinem Streifzug durch die frühen Texte gelingt es Heinrich Detering nachzuzeichnen, dass der Literat Thomas Mann seine künstlerische Identität in gesellschaftlich stigmatisierten Gruppen findet: vor allem bei den Frauen und den Juden. Ihnen - und dem Literaten - ist eines gemein: "der Ekel vor dem, was man ist." Thomas Mann nimmt dieses Stigma an, indem er sich selbst als weiblichen und jüdischen Schriftsteller entwirft und so zu seiner künstlerischen Produktivität findet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2006

Kaum zu glauben, aber Heinrich Detering gelingen tatsächlich neue Lesarten zu Thomas Manns Frühwerk. Und das, so Rezensent Malte Herwig, obwohl die relevanten Faktoren wie Homosexualität und die Darstellung jüdischen Lebens inzwischen ausgiebig erforscht seien. Ein "obskurer" Roman der lesbischen Schriftstellerin Toni Schwabe, skizziert der Rezensent die Urszene der heiklen Zusammenhänge, habe dem jungen Thomas Mann weiland als entscheidende Inspirationsquelle für sein mehr oder weniger offenes coming out gedient - und diese Konstellation habe nun wiederum Heinrich Deterings kühne These inspiriert, Achtung, der frühe Thomas Mann habe sich als deutsche Schriftstellerin inszeniert. Geradezu "aufs brutalste" hätte er seine innere Problematik in seinen Figuren ausgelebt, beispielsweise in der Form einer sadistischen Selbstzüchtigung als "effeminierte Tunte". Heinrich Detering, so der Rezensent, zeige einen unglaublichen Instinkt für verräterische Indizien, mit dem er ein veritables "Entdeckungsbrevier" für wahrhaft neugierige Leser geschrieben habe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2006

Als "eine der vielleicht nützlichsten literaturwissenschaftlichen Arbeiten dieser Jahre" preist Jürgen Busche diese Studie über Thomas Manns Roman "Königliche Hoheit", die Heinrich Detering vorgelegt hat. Der gewählte Titel "Juden, Frauen und Litteraten - Zu einer Denkfigur beim jungen Thomas Mann" erscheint ihm "sehr listig", kann das Buch so möglicherweise Leser anlocken, die sich von "Königliche Hoheit" im Titel abschrecken ließen. Schließlich gilt dieses Werk vielen gebildeten Mann-Lesern noch heute als etwas peinlicher Missgriff des Meisters. Zu Unrecht, befindet Busche - wie Detering in seiner Studie belege. So habe Mann in "Königliche Hoheit" versucht, im Widersprüchlichen seiner Existenz und Welterfahrung einen Ausgleich zu finden. Mit großem Vergnügen folgt Busche dem Autor bei der sorgfältigen Durchmusterung des Personals und der Konstruktion des Romans. Einziger Wermutstropfen ist für ihn der Stil des Buchs, das vollgestopft ist mit "universitärem Rotwelsch".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006

Eine "äußerst anregende Studie" sieht Roman Bucheli in Heinrich Deterings Untersuchung der Künstlerfiguren in den frühen Texten Thomas Manns und des darin niedergelegten Selbstverständnisses. Er hebt hervor, dass Deterings Arbeit nicht nur neues Licht auf diese frühen Texte wirft, sondern auch zu präziseren Umrissen des Selbstbildes führt, das Thomas Mann in diesen Texten entwarf. Im Mittelpunkt der Studie sieht Bucheli die Denkfigur der Stigmatisierung. Detering argumentiere einerseits ganz nah an den Texten, scheue sich anderseits aber nicht, auch Manns Selbstdarstellungen zu bedenken. So werde sowohl die ästhetische wie auch die lebensgeschichtliche Dynamik dieser Denkfigur sichtbar. Das Resümee des Rezensenten: eine "ebenso weit gefächerte wie brillant geschriebene Darstellung".
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