Urszula Honek
Die weißen Nächte
Roman in 13 Geschichten

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432167
Gebunden, 160 Seiten, 23,00 EUR
ISBN 9783518432167
Gebunden, 160 Seiten, 23,00 EUR
Klappentext
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Über das Lieben und Hoffen von Menschen, die im Schatten stehen. Ein schläfriges Dorf am Fuß der Beskiden, ins Licht der Sommermonate getaucht. Freunde, die sich aus der Schule kennen, gehen auf Arbeitssuche, zwei schon mit dem Tod im Herzen. Ein kleines Mädchen steht seiner Großmutter beim Sterben bei, ohne es zu wissen. Eine unverheiratete junge Frau, die als einzige im nahegelegenen Städtchen zur Schule gegangen ist, will mehr vom Leben, als es ihr bieten kann. Sie alle, die mit existentiellen Krisen zu kämpfen haben, lassen mit ihrer je eigenen Stimme ein erzählerisches Mosaik aus dreizehn miteinander verknüpften Geschichten entstehen. Im Dorf herrschen namenlose Ängste, die an Vergangenes rühren, aber auch Freundschaft, Empathie und Verbundenheit mit allem Lebendigen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2025
Rezensent Lennart Laberenz mag Urszula Honeks Prosa für ihre Kargheit. Das Drama aus Licht und Dunkel einer Dorfgemeinschaft in den polnischen Beskiden führt die Autorin gekonnt und mit Sinn für sich fortschreibende Gewaltgeschichten auf, so Laberenz. Die Erzählungen sind laut Laberenz reich an Perspektiven, Schichten aus Zeit und Gedanken und ergeben ein dunkel schimmerndes Kaleidoskop, das den Leser die Gewalt ahnen lässt. Der Text fügt sich gut ein in den aus der osteuropäischen Literatur bekannten Topos des Dorfes als Anti-Idyll, findet Laberenz.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2025
Einen "besonderen literarischen Reiz" macht Rezensentin Sigrid Löffler in den düster-melancholischen Geschichten von Urszula Honek aus, die die abgeschiedene Welt eines polnischen Bergdorfes ergründet. Hier herrscht in jeglicher Hinsicht ein rauhes Klima: "Harsche Winter mit viel Schnee", Armut, Depression. Tief steigen wir hinab in die "archaischen Tiefenschichten" dieses Ortes, die Honek sorgfältig vor uns ausbreitet, so die Kritikerin. Die Dorfbewohner sind geprägt von "magischen und mythischen Vorstellungen" längst vergangener Zeiten, Geister - und Aberglaube, aber auch feindliche Stereotype zum Beispiel über Juden sind verbreitet. In dieser düsteren Welt greifen nicht wenige zum Strick oder gehen wahlweise ins Wasser, verrät Löffler. Zusätzlich erzeugt die Autorin mit überraschenden Anachronismen, plötzlich ist von Mikrowellen, Coca-Cola und blauem Licht die Rede, für feine Irritationen bei der Leserin. Die Kritikerin hebt die "einfühlsame und geschmeidige" Übersetzung Renate Schmidgalls hervor und scheint der "schwermütigen Anhänglichkeit" dieser Dorfgeschichten doch einiges abgewinnen zu können.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2025
Ein eindrucksvolles Prosadebüt legt hier die vorher als Lyrikerin reüssierende polnische Autorin Urszula Honek vor, freut sich Rezensent Franz Haas. Dreizehn Geschichten enthält dieser Roman, sie könnten für sich stehen, verbinden sich aber zu einer gemeinsamen Erzählwelt, die in der polnischen Provinz angesiedelt ist. Düster geht es zu in diesen Geschichten, erfahren wir, Selbstmord ist allgegenwärtig, die Frauen haben es schwer, die Männer sind oft tumbe Säufer. Der Rezensent geht auf einige Geschichten und wiederkehrende Figuren näher ein und verweist darauf, dass Tiere und Hunde eine besondere Rolle spielen in diesem Panorama des Elends. Unromantisch gezeichnet ist dieses Provinzleben, stellt Haas klar, insbesondere die Frauen kommen immer wieder unter die Räder. Dass dies nicht in Ordnung ist, stellt dieses Buch in den Augen des Rezensenten auf starke, keineswegs belehrende, Weise klar.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2025
Endlich liegt Urszula Honeks dichter, poetischer Episodenroman, der vom Leben und Sterben in einem abgelegenen polnischen Dorf erzählt, in deutscher Sprache vor, freut sich Rezensent Jörg Plath. In 13 miteinander verwobenen Geschichten schildert Honek die Schicksale verschiedener Dorfbewohner, in deren Leben der Tod allgegenwärtig ist, so Plath. Honek erzählt von einem begrenzten Figurenpersonal in elliptischen Fragmenten, changiert zwischen Perspektiven und Zeiten und erschafft so ein "Geschichtengestrüpp", das sich der Chronologie entzieht. Renate Schmidgalls Übersetzung bringt die lyrische Intensität des Romans zum Leuchten, lobt Plath, etwa wenn die Dämmerung beschrieben wird: "Die Welt wird rot, als hätte sie Feuer gefangen." So entsteht ein magisch-realistisches Panorama voller Licht und Dunkelheit, in dem der Tod nur so lange fern bleibt, wie Geschichten erzählt werden, lobt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2025
Die Poesie steckt bei Urszula Honek im "Knirschen des Schnees" genau wie "im Hinken des Schreiadlers" , hält Rezensentin Julia Hubernagel fest. Beeindruckend, wie die Autorin es schafft, mit so kunstvollen Worten die Menschen eines polnischen Dorfes in den Beskiden zu schildern, die selbst "eigentlich kaum über eine Sprache verfügen". "Stillstand wie dichter Nebel" liegt über dieser abgeschiedenen Dorfgemeinschaft, in der es viel Arbeit und wenig Vergnügen gibt, dunkle, aber ferne Erinnerungen an den Krieg aufblitzen und Mädchen sich vor den Trieben der Männer in Acht nehmen müssen, so die Kritikerin. Honek hört nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren und der Natur genau zu - und das merkt man ihrer Prosa an, meint Hubernagel.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.03.2025
Rezensent Nico Bleutge sieht Urszula Honeks antiidyllischen Dorfroman in einer langen polnischen Traditionslinie. Wo allerdings bei Andrzej Stasiuk, der ebenfalls über die polnische Provinz schreibt, immer wieder kleine Epiphanien stattfinden, bleibt es bei Honek finster, und die Autorin interessiert sich für das Leid und die Brüche in den Biografien ihrer Figuren, meint der Rezensent. Sprachlich arbeitet Honek laut Bleutge mit Feuermetaphorik und viel Sinn für Farben. In "Wahrnehmungsskizzen" tauchen Bruchstücke auf, das Ganze aber bleibt offen und unerzählt, erklärt der Rezensent. Renate Schmidgalls Übertragung hat sich gut darauf eingestimmt, findet er.
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